Es war der 15. Dezember, ein kalter, aber trockener Tag in Köln. In den Straßen drängelten sich Weihnachtsmarktbesucher, Touristen und rumänische Klaukids. Gegen 17 Uhr, die Sonne versank schon hinter den Glühweinständen, taten zwei der tausenden von Menschen in der Stadt etwas unerhörtes, nie dagewesenes. Sie besorgten sich Karten für eine Silvesterparty. Mehr als zwei Wochen vor dem Stichtag.
Dass so etwas nicht ungestraft bleiben konnte, war ihnen klar. Und das Schicksal ließ sich nicht lange bitten. Als sie einen Blick auf ihre Karten warfen, sprangen sie ihnen entgegen - die laufenden Nummern. 001 und 002. Sie waren die ersten. Niemand vor ihnen hatte sich die Blöße gegeben, schon zwei Wochen vor Silvester einen konkreten Plan zu fassen und die dazu nötigen Vorkehrungen zu treffen. Sie waren Nerds, so uncool wie eine frühzeitige Ejakulation. Peinlich berührt schlichen sie mit hochroten Köpfen nach Hause.
Ende.
Und die Moral von der Geschicht': Wir gehen zur Time to rock, time to shock-Silvesterparty ins Subway. Definitiv. Und wir suchen noch Mitläufer. Karten gibt's im Underdog am Hansaring, für 6,60 Euro pro Stück. Wenn ich ihr wäre, würde ich sie mir diese Woche holen. Und mir dann bescheid sagen, denn es würde mich freuen, möglichst viele von euch da zu treffen. Bislang dabei: Natalie, Mirek, Julia, Svenja + X (etwa Daniel?!), Sandra, Antje.
Montag, 17. Dezember 2007
Wie uncool
Eingestellt von Patrick @ 21:44 1 Kommentare
Montag, 3. Dezember 2007
Gefühlter Kölner
So richtig schön ist es hier ja nicht. In der Stadt, meine ich. Ein Riesenhaufen Scheiße in der Bahnhofspassage, eine plattgefahrene Ratte auf dem Gehweg, der penetrante Uringeruch in der U-Bahn - Frankfurt hat ein Anzugträger-Viertel und drei Igitt-Viertel. Ich hätte gerne was dazwischen. Zwischen Köln-Lindenthal und Köln-Ehrenfeld liegt ja schließlich auch Köln-Braunsfeld als Puffer. Aber da kann man wohl nichts machen.
Ich habe mich nach neun Jahren tatsächlich als "Kölner" gefühlt. Gefühlter Kölner sozusagen. Wie aus mir jemals ein Gefühlter Frankfurter werden soll, ist mir schleierhaft.
Immerhin: Was die Skater hier so machen, stellt die Künste der Kölner Domplatten-Kids in den Schatten. Nachzusehen im Film Fahr doch, dessen Premiere meine Mitbewohnerin am vergangenen Wochenende organisiert hat. Das Ganze war auch ein Beweis für die Macht von Myspace: Der Film wurde nur im Internet beworben, und trotzdem standen am Samstag 200 oder 300 Leute vor dem winzigen Kino, das für den Abend angemietet worden war. Und die alle wollten Geld bezahlen, um den vollkommen handlungslosen und sinnfreien Skaterszenen-Streifen zu sehen. Darauf einen Frankfurter Applaus.
Eingestellt von Patrick @ 20:16 0 Kommentare
Sonntag, 25. November 2007
Wie war das nochmal mit den Pferden und dem Weiterreiten?
Ich hab's zwar schon per Mail herumposaunt, aber hier gehört's wohl auch hin: Es ist jetzt offiziell, ich bleibe für mindestens die nächsten zwei Jahre in Frankfurt. Ich habe alle Zusagen und werde ab dem 1.2. Volontär. War wohl die letzte und einzige Chance, aber es hat ja geklappt. Und was ich bislang gehört habe, klingt spannend. Ein Drittel der Zeit werde ich in meiner Stammredaktion, nämlich bei den Onlinern arbeiten. Ein Drittel werde ich in verschiedenen Ressorts der Zeitung verbringen, und das der Rest geht für Seminare, Hospitanzen und Urlaub drauf.
Dass damit der Ernst des Lebens beginnt, hat man mir auch schon gesagt. Bei Interviews werde ich künftig das Metall aus dem Gesicht schrauben müssen, und demnächst werde ich mir wohl einen Anzug zulegen. Falls also jemand von euch demnächst heiraten sollte, wäre ich vorbereitet.
Meine Kölner Zelte werde ich wohl irgendwann im Januar endgültig abbrechen. Wer sich erinnern mag: In meinem allerersten Blogeintrag habe ich mich gefragt, ob 2007 wieder so aufregend werden muss wie 2006. Und dann war noch was mit Pferden und Weiterreiten. Tja, jetzt reite ich tatsächlich weiter. Und langsam, ganz langsam, breitet sich vom Kopf her die Erkennntnis aus, dass genau deshalb auch 2008 ziemlich spannend werden könnte. Ich hoffe mal, meine Nervenstränge halten das aus.
Eingestellt von Patrick @ 20:19 0 Kommentare
Montag, 5. November 2007
Wacher als wach ist Überwach
Nach "Stasi 2.0" und der "Schäublone" jetzt die nächste, zur Abwechslung mal wirklich amüsante Aktion gegen die von der Bundesregierung geplante Vorratsdatenspeicherung:
Ende der Woche wird der Bundestag über den Gesetzentwurf aus dem Hause Zypries abstimmen. Selbst wenn es Widerstand geben sollte, wird das Gesetz irgendwann in irgendeiner Form kommen. Denn es gibt eine entsprechende EU-Richtlinie, und die muss umgesetzt werden. Im Entwurf steht, dass die Telekommunikationsanbieter künftig für sechs Monate speichern müssen
- von welcher Telefon-/Handy-Nummer wann welche andere Nummer angerufen wurde
- wie lange das Gespräch gedauert hat
- wo sich ggfs. das Handy während des Gesprächs befunden hat
- welche IP-Adresse (=welcher Computer) sich wann ins Internet eingewählt hat
- wer wem wann eine E-Mail geschrieben hat
Kurz: Die Verbindungsdaten, nicht aber die Gesprächsinhalte, werden gespeichert. Deutschland wird dadurch angeblich sicherer. Und eben auch definitiv unfreier.
Und deshalb gibt's Protest. Ein ganz schlauer junger Mann dreht das Spiel einfach um und überwacht die Überwacher. Bei Überwach! wird protokolliert, von welchem Bundes- oder Landesministerium sowie von welcher Regierungs- oder Oppositionspartei auf welche Internetseiten zugegriffen wird. Wenn ihr wissen wollt, ob Innenminister Schäuble eure MySpace-Seite oder euer Blog kontrolliert, müsst ihr nur einen kleinen HTML-Schnipsel in den Quellcode eurer Seite einbauen. Den Code findet ihr auf der Überwach!-Seite.
Dort sind auch die Listen auf Vorrat gespeichert, denen ihr entnehmen könnt, welche Institution welche Seiten besucht. Demnach lesen Regierungsmitarbeiter gerne in linken Blogs wie dem Pantoffelpunk und surfen während der Arbeitszeit in einem Forum für Computerspiel-Cheats.
Natürlich mache ich auch mit: Der HTML-Schnipsel ist eingebaut. Jetzt warte ich darauf, dass das BKA meine Tür einrennt und mich nach Guantanamo bringt. Aber sowas passiert ... Moment, da hat gerade jemand an der Tür geklingelt.
Eingestellt von Patrick @ 20:18 1 Kommentare
Dienstag, 30. Oktober 2007
Lächerlich
Das Rauchverbot mobilisiert die Massen in Frankfurt: Gestern habe ich schon die zweite Demo für Qualmfreiheit durch die Straßen ziehen sehen. Es war der erbärmlichste Haufen Demonstranten seit der elftausendsten Anti-Hartz-IV-Veranstaltung. Etwa 100 Eckkneipenbodensatzbewohner grölten reichlich schief "In uns'rer Kneipe am Ende der Straße" durch Sachsenhausen und hielten DIN-A-4-Zettel mit kryptischen Botschaften in Times New Roman Größe 10 hoch. Das wird Herrn Koch mächtig beeindruckt haben. Wenn die deutsche Protestkultur so weiter macht, dürften Demos demnächst wegen Lächerlichkeit verboten werden.
Dabei gibt's schlimmeres als ein Rauchverbot: Gestern ist in Norwegen ein Hubschrauber mit drei Männern an Bord abgestürzt - und zwar auf einen parkenden Tanklastzug. Was geht einem wohl durch den Kopf, wenn sowas passiert? Man schmiert gerade ab, und dann sieht man, dass man in einem Land mit einer Bevölkerungsdichte von 13,2 Einwohnern pro Quadratkilometer ausgerechnet auf einen Tanklastzug mit schätzungsweise 20.000 Benzin an Bord fällt - und das auch noch an einem Montag! ich glaube, ich müsste lachen.
Ach ja, es nichts passiert. Keine Explosion, keine Toten. Das Leben ist ein Witz, bei dem jemand die Pointe versaut hat.
Eingestellt von Patrick @ 15:39 0 Kommentare
Montag, 22. Oktober 2007
Psst, ich bin Superman
Diese Kontaktlinsen sind Teufelszeug. Man hat das Gefühl - jedenfalls wenn man sonst so blind ist wie ich - plötzlich mit den eigenen Augen so gut zu sehen wie niemand sonst. Als hätte man Superkräfte und könnte kilometerweit sehen, wenn man sie trägt. Und so laufe ich durch die Straßen und starre Leute an, weil mir irgendwas einflüstert, dass ich zwar sie, sie aber nicht mich erkennen können, weil ich noch viel zu weit weg bin.
Es wird wohl noch eine Weile oder ein "Was glotzt du so, du Arsch?" brauchen, bis ich wirklich verstehe, dass alle anderen auch gut sehen. Einfach, weil sie ganz normal gucken können. Oder weil sie auch Supermans Kontaktlinsen tragen.
Eingestellt von Patrick @ 19:04 0 Kommentare
Sonntag, 7. Oktober 2007
Sehr geehrter Herr Mehdorn!
Soeben hatte ich eine Mitfahrgelegenheitsmitfahrt von Köln nach Frankfurt, die ich Ihnen nicht vorenthalten möchte. Mit mir im Opel Corsa saßen Sebastian, Stefan und Tina.
Stefan macht ein Praktikum bei den Wirtschaftsprüfern von PriceWaterhouseCoopers, weshalb er auch Michael kennt. Denn Michael macht nicht nur das gleiche Praktikum und sitzt am Schreibtisch gegenüber, sondern ist schon zwei Mal mit mir von FFM nach Köln gefahren. Wir drei kennen auch alle den John, der ebenfalls ständig pendelt und jeden von uns schon mal mitgenommen hat.
Sebastian macht exakt das, was ich auch gerade in FFM versuche: Beruflich hier einsteigen, einen langsamen Übergang vom Rhein an den Main schaffen und irgendwie nette Leute kennen lernen. Er macht das seit ein paar Monaten und ist dabei durchaus erfolgreich, was mir irgendwie Mut macht.
Tina klettert. In drei Wochen auf den Kilimanjaro, was ich insgeheim auch mal gerne machen möchte, weshalb ich sehr interessiert an ihren Vorbereitungen etc. bin. Außerdem klettert sie gerne in Kletterhallen, und zwar im selben Schwierigkeitsgrad wie ich. Und weil sie auf der anderen Straßenseite wohnt und gerade in mein Zimmer gucken kann, habe ich wohl (hoffentlich) jemanden zum Klettern gefunden.
Abgesehen davon hatte ich logischerweise einen Fahrservice bis vor die Haustür, die Reise dauerte gerade einmal 90 Minuten und hat ganze 10 Euro gekostet. Was ich damit sagen möchte, Herr Mehdorn, ist folgendes:
Ihre Bahn stinkt. Streikende Lokführer, überhöhte Preise, die noch einmal erhöht werden, zuverlässige Unzuverlässigkeit und Verspätungen, für die Sie nicht um Verständnis, sondern um Vergebung bitten sollten, lassen in mir die Frage aufkommen, warum in aller Welt ich Sie und Ihre irrsinnigen, selbstherrlichen Börsenpläne weiter unterstützen sollte, wenn es doch mit Fahrgemeinschaften so viel schöner sein kann.
Mit feindlichen Grüßen,
Patrick B.
Eingestellt von Patrick @ 20:18 0 Kommentare
Dienstag, 25. September 2007
Auf's Auge gedrückt
Ich hab's getan: Ich war beim Optiker und habe mir Kontaktlinsen auf's Auge drücken lassen. Im wahrsten Sinne des Wortes. Und weil ich es auf den Tod nicht ausstehen kann, wenn mir jemand ins Auge fasst, war das mit das Mutigste, was ich je getan habe.
Mein erstes Fazit: Ist schon toll, wenn man plötzlich weiß, wie FFM wirklich aussieht. Und auch an die Linsen selbst könnte ich mich wohl schnell gewöhnen. Nur das Einsetzen ... ich wünschte, es gäbe Linsen, die man schlucken kann und die dann automatisch von hinten ins Auge rutschen. Kann das mal bitte jemand erfinden?
Eingestellt von Patrick @ 17:56 1 Kommentare
Sonntag, 23. September 2007
Zufälle
Danke an Antje, Maddin, Sven, Kuddie, Mirek, Thomas, Sandy, Doreen, Tobi, Dani, Cooker, Hubert, Anita, Tung und Albert, die ich an diesem Wochenende ALLE ZUFÄLLIG getroffen habe! * Wann immer ich aus irgendeinem Gebäude rausgekommen bin, stand draußen der oder die nächste von euch. So lohnt es sich natürlich, für zweieinhalb Tage nach Köln zu kommen.
Jetzt bin ich wieder in FFM - und fühle mich immer noch ziemlich unheimisch. Kein Wunder - hier steht nie jemand an der Ecke und ruft plötzlich "Mann, was machst DU denn hier?!"
* Und Danke natürlich auch an Julia, die ich absichtlich getroffen habe.
Eingestellt von Patrick @ 20:55 0 Kommentare
Montag, 17. September 2007
Du bist Springfield!
Erst mal das Wichtigste: Sollte jemand von euch auf eine E-Mail von mir warten, auf eine Antwort auf irgendwas, dann kann es sein, dass die nicht kommt. Ich habe nämlich den Verdacht, dass ich zurzeit nicht alle E-Mails bekomme, die ich bekommen sollte. Bin zuletzt zwei Mal darauf angesprochen worden. Ihr könnt das ja als Aufruf verstehen, mir zu "Testzwecken" mal was zu schreiben.
Und wenn ihr auch so ein schönes gelbes Porträt von euch wollt wie ich es auf der linken Seite habe, dann könnt ihr das hier basteln. Dann seid aber auch so gut und schickt es mir!
Eingestellt von Patrick @ 21:45 0 Kommentare
Montag, 10. September 2007
900, 500, 400, 30, 1000
Ich muss euch loben. Genau 900 Zugriffe hat mein Blog mittlerweile. Gut, 500 davon sind von mir. Und die restlichen 400 verteilen sich wahrscheinlich auf ziemlich genau eine Handvoll Leute. Aber ich bin trotzdem beeindruckt - schließlich schreibe ich nur alle paar Wochen etwas Neues.
Wenn ihr jetzt auf die erste Geschichte aus Frankfurt wartet, muss ich euch enttäuschen. Mit Einzelheiten von der Arbeit will ich euch nicht langweilen, und ansonsten habe ich hier noch nicht viel gesehen. Außer IKEA und Kieser-Training.
A propos Alterserscheinungen: Ja, ich bin jetzt 30. Vor zwanzig Jahren hätte ich mir nicht träumen lassen, dass ich mal so alt werden würde. Vor zehn Jahren hätte ich mir nicht träumen lassen, dass mir das ausgerechnet in Frankfurt passieren würde. Aber nun ist es doch soweit - und ich kann nicht behaupten, dass es mir egal ist.
Und jetzt ist Schluss mit dem Gejammer. Bitte schön weiterklicken, ich will die 1000 in meinem Blog-Counter sehen!
Eingestellt von Patrick @ 19:04 1 Kommentare
Mittwoch, 29. August 2007
Der Bildschirmschoner von Timothy Leary
Also diese Typen bei der Frankfurter Rundschau veröffentlichen wirklich jeden Mist. ;-)
Tool in der Jahrhunderthalle
Ist das jetzt linksliberal?
Eingestellt von Patrick @ 10:32 0 Kommentare
Montag, 27. August 2007
Nachholbedarf
Seit einer guten Woche bin ich jetzt in FFM. Dass ich bislang nichts geschrieben habe, liegt an technischen Problemen. Deshalb habe ich nun, da ich so etwas ähnliches wie Internetzugang habe, einigen Nachholbedarf. Zunächst eine Zusammenfassung der 10 Tage in und um Barcelona:
Dies ist die Aussicht, die wir von unserem Balkon hatten. Es gibt aber auch schönere Mauern in der Stadt. Haben wir alle gesehen. Gewöhnungsbedürftig waren nur die Bahnsteignummerierung 2, 1, 3; die nicht existenten Englisch-Kenntnisse so ziemlich aller Katalan... Kataloni... also Spanier; die Tatsache, dass Touri-Attraktionen im August gerne mal wegen Sommerurlaub geschlossen haben und die dringende Gewürzbedürftigkeit der katalanisch... kataloni... also spanischen Tapas. Aber wir hatte eine gute Zeit. Und nur das zählt.
Der erste Bericht aus Frankfurt kommt noch diese Woche. Versprochen. *fingerhinterdemrückenkreuz*
Eingestellt von Patrick @ 22:10 0 Kommentare
Sonntag, 5. August 2007
Mein letztes Mal
Montag, 30. Juli: Zum letzten Mal Fußball in Lövenich. Ganz im Ernst: Das tat weh. Fast so weh wie ein Schuss von Steve zwischen die Beine, einer von Nico durchs Gesicht, einer von Cooker egal wohin - oder die Rache von Bennis Mutter, die euch eines Tages erwischen wird.
Dienstag, 31. Juli: Der letzte Spätdienst in Köln. Perfekter Abschluss - wie oft darf man schon nach einem 3:1-Sieg des FC über die Bayern "Ligapokalsieger-Besieger" über einen Artikel schreiben und dafür auch noch bezahlt werden?
Mittwoch, 1. August: Das letzte Squash-Duell mit Mirek. Zum ersten Mal seit gefühlten 30 Jahren habe ich gewonnen. Theoretisch könnten wir am 17. nochmal spielen, aber da werde ich krank sein. Ich bin doch nicht blöd und warte nochmal 30 Jahre auf einen Sieg.
Freitag, 3. August: Abschied aus der Redaktion. Viele warme Worte, leckerer Kuchen.
Alles in allem eine gute Woche. Was gefehlt hat: Ein letztes Mal richtig Rocken. Muss nachgeholt werden. Am 17. / 18. August zum Beispiel. Um Vorschläge wird gebeten.
Eingestellt von Patrick @ 12:55 1 Kommentare
Freitag, 27. Juli 2007
Volontariate, Ausbeutung und Fidschi
Manchmal muss man auch etwas Unwahrscheinlichem die Chance geben zu passieren.
Ich bin gestern nach Frankfurt gefahren, um mir ein WG-Zimmer anzusehen. 2,5 Stunden hin und 2,5 Stunden zurück, für ein einziges Zimmer. Alle anderen Angebote, die ich in den Tagen zuvor gesichtet hatte, waren entweder nicht mehr aktuell, auf polnisch verfasst oder mit Nebensätzen versehen wie "Waschmaschine und Internet sind nicht in der Wohnung, können aber in einem anderen Stadtteil mitbenutzt werden".
So stand ich dann am frühen Abend in der Wohnung von Andrea, im Stadteil Sachsenhausen. Das ist sowas wie das Deutz von Frankfurt. Was hier Schäl Sick heißt, ist dort "Dribb de Bach" (drüben vom Bach, also am südlichen Mainufer). Unzählige Bewerber gab es für die 18 qm im sanierten Altbau. Doch nach einer halben Stunde Gerede über Volontariate, Ausbeutung und Fidschi sagte Andrea: "Wenn dir das Zimmer gefällt, kannst du's haben."
Also werde ich ab Mitte August in der Mörfelder Landstraße 103 wohnen. Glück muss man haben. Und Schokolade, um zukünftige Mitbewohnerinnen zu bestechen.
Dann könnt ihr auch davon ausgehen, dass ich mein Blog wieder öfter nutzen werde, um mich auszuheulen, auszukotzen und aufzuregen. Oder um reinzuschreiben, dass 29,9 vielleicht wirklich ein gutes Alter ist, um nochmal was Neues zu wagen.
Eingestellt von Patrick @ 16:02 0 Kommentare
Sonntag, 15. Juli 2007
(An-)Ruf aus Frankfurt
Ich versuch's mal kurz und sachlich: Am Freitag, den 13.7. habe ich ein Angebot von der Frankfurter Rundschau bekommen:
Ich soll drei Monate als Freier Mitarbeiter die dortige Online-Redaktion unterstützen. Wenn ich das zu ihrer Zufriedenheit hinbekomme, empfehlen sie mich für ein Anfang 2008 beginnendes Volontariat. Anfangen soll ich so schnell wie möglich. Deshalb plane ich, sofort nach meinem Urlaub, also schon Mitte August, an den Main zu ziehen. Allerdings soll und werde ich meine Bude in Köln vorerst behalten und am Wochenende auch hier sein, wenn ich nicht arbeiten muss. Denn ob ich nun Volontär werde oder nicht, entscheidet sich ja nicht sofort. Es wird also eventuell ein Abschied auf Raten. Aber der beinhaltet zumindest schon mal den Abschied von den Chaos-Kickern in Lövenich, vom Squashen in Dellbrück und allem anderen, was zwischen Montag und Freitagnachmittag anliegt.
Weiterdenken hieße, den zweiten vor dem ersten Schritt zu machen. Deshalb nur so viel: Die Frankfurter geben mir eine Chance, die ich in Köln momentan nicht sehe. Ein Volo bei einer der fünf überregionalen Tageszeitungen in Deutschland wäre ein ausreichender Grund, Köln zumindest für zwei Jahren zu verlassen - auch wenn es mir "dat Kölsche Hätz" brechen würde.
Aber noch ist es nicht soweit. Vielleicht wird es ja auch nur ein kurzes Intermezzo, ein Pendeln zwischen Köln und Frankfurt für drei Monate, und dann eine reuige Rückkehr an den Rhein. Ein Intermezzomix sozusagen.
Für Tipps, was man in Frankfurt wo tun sollte und was nicht, wäre ich trotzdem schon mal dankbar. Alles weitere in Kürze...
Eingestellt von Patrick @ 20:28 2 Kommentare
Sonntag, 8. Juli 2007
Rheinkul-Tür
Tja, da hab ich wohl den Mund etwas zu voll genommen. Nix war's mit großer RaR-Fortsetzung bei der Rheinkultur. Jedenfalls hab ich keine Ringrocker getroffen. Manche sind gar nicht erst losgefahren, andere haben entnervt am Bonner Hauptbahnhof die Waffen gestreckt und sind umgekehrt. Gut, wenn man erst zwei Züge nach Bonn durchfahren lassen muss, weil nichts mehr geht, und dann in Bonn nach 20 Minuten Wartezeit eine U-Bahn erwischt, die nach ca. 175 Metern kaputt geht, so dass alle zurück müssen und das Spiel von vorne beginnt, dann kann man schon mal schwach werden. Schön, dass wenigstens die Polizei von einer "weitgehend entspannten Verkehrssituation" redet. Die müssen wohl in einer anderen Stadt gewesen sein.
Gegen 17 Uhr haben wir's dann doch noch auf's Festival-Gelände geschafft. Also Mirek, ich und Natalie. Fire In The Attic wollten eine "Wall of Love", bei zwei Parteien aufeinander zurennen und sich in der Mitte umarmen. Ein kleiner Hiphopper hat den Freestyle-Contest gewonnen, weil er mehr Reime der Sorte "deine Freundin, mein Genital" wusste als alle anderen und dem Ruf der Deutschen als Volk der Dichter und Denker damit alle Ehre gemacht hat. Die Monsters of Liedermaching waren, ebenso wie der darauf folgende Götz Widmann ganz wunderbar und haben in familiärer Atmosphäre über Selbstmord, Selbstliebe und Türen-Fetischismus (Mär-Türer, 'Türlich 'Türlich und Rheinkul-Tür) gesungen. Die Fanta 4 waren auch da, aber leiser als Sick Of It All, die zudem bessere Beinarbeit gezeigt haben als Klitschko in der Kölnarena.
Für den Rückweg haben wir übrigens nur 2,5 Stunden gebraucht.
Rocken wir dafür alle zusammen die Kölner Lichter am kommenden Samstag?
Eingestellt von Patrick @ 16:00 1 Kommentare
Sonntag, 1. Juli 2007
Rock am Ring vs. Rock im (Klettenberg-)Park
Jaja, Asche auf mein Haupt - ich war faul und sehr, sehr blogabstinent. Ich war zu sehr mit Rock'n'Roll beschäftigt (wer's glaubt...).
Erst Rock am Ring (im Folgenden RaR), am Samstag dann Rockparty im Klettenbergpark (im Folgenden RiP). Das selbe in Grün oder doch ernsthaft anders? Hier der Vergleich:
Die Rocker:
RaR: ca. 25 Menschen + 1 Delphin
RiP: fast identische Konstellation, nur ohne Delphin. 1 Öko-Punkt für RaR.
Die Drogen:
RaR: Alle sind blau, nur ich nicht. Trotzdem sehe ich auf den Bilder schlimmer aus als der Rest.
RiP: Alle sind blau, nur ich nicht. Trotzdem sehe ich auf den Bilder schlimmer aus als der Rest, mit Ausnahme von Clemens. Deshalb 1 Schönheits-Punkt für RiP.
Die Musik:
RaR: Guude Laune! Und: Die mit dem roten Halsband!
RiP: Absolut in Ordnung. 1 Pornopunkt für RaR.
Die Bilder:
RaR: 
RiP:
1000 Traumfrau-Punkte für Klettenberg.
Fazit: Knappe Entscheidung. Einigen wir uns auf Unentschieden. Und am Samstag geht's mit Rheinkultur in die nächste Runde...
Eingestellt von Patrick @ 20:11 2 Kommentare
Sonntag, 29. April 2007
BBQ in Poll
Grillen am Donnerstag auf den Poller Wiesen - wer nicht da war, ist selbst schuld. Ich hatte es euch gesagt...
(Im Uhrzeigersinn von unten rechts: Colby und Ian aus Kanada, Thorsten aus ... irgendwo hier..., Jurga aus Litauen, Andi aus Köln-Kalk. Auf dem Grill: Fleisch aus Schweinehüften. Also multinationales BBQ.)
Eingestellt von Patrick @ 22:08 0 Kommentare
Justus Jonas und die Matrix
Ich habe nie behauptet, dass mein Blog werbefrei ist. Also mach ich jetzt mal Werbung:
Wer das Vollplaybacktheater mit seiner Aufführung "Die drei ??? und der Super-Papagei" noch nicht gesehen hat und morgen überraschend von einem Bus überfahren wird, hat ein unvollständiges, sinnloses Leben geführt. Es ist von entscheidender Bedeutung, dass Ihr alle lernt, was Justus Jonas mit der Matrix, einem Royal mit Käse und der Bohemian Rhapsody zu tun hat.
Also schaut nach, ob die Truppe im Mai nochmal in eurer Nähe auftrtitt oder wann die Herbsttour mit dem selben Programm beginnt: vollplaybacktheater.de
Eingestellt von Patrick @ 19:54 0 Kommentare
Freitag, 30. März 2007
Üssieren
Vor einiger Zeit steckte ich in einer mentalen Sackgasse fest: Ich wusste nicht, was ich wollte. Ich habe immer irgendein ganz bestimmtes Ziel gehabt: Die Weltreise und das Volontariat waren die vom letzten Jahr. Das mit der Reise hat geklappt, das mit dem Volo nicht. Nur habe ich es dann lange nicht geschafft, ein neues Ziel zu formulieren. Bis mir ein Freund und Mentor riet, mir kleinere Ziele zu setzen.
Jetzt habe ich eines gefunden: Ich will einmal das Wort "reüssieren" in einem Zeitungsartikel schreiben. Denn ich lese es jede Woche mindestens einmal im SPIEGEL. Es muss ein wichtiges Wort für Journalisten sein. Vielleicht hat's mit der großen Karriere ja deshalb noch nicht geklappt, weil ich das Wort noch nie benutzt habe. Unter anderem, weil ich nicht genau wusste, was es eigentlich heißt, und ob man auch nur "üssieren" kann, weil "re" doch immer bedeutet, etwas rückgängig zu machen.
Heute habe ich endlich die Muße gefunden, das Wort nachzuschlagen. Es bedeutet "Erfolg haben". Kein Wunder, dass ich den noch nicht hatte.
Aber ich bin wohl nicht der einzige, der Probleme mit dem Wort hat. Oder habt ihr schon mal jemanden sagen gehört "Ich hab am Wochenende bei dieser scharfen Alten reüssiert"?
Eingestellt von Patrick @ 11:26 1 Kommentare
Donnerstag, 15. März 2007
Roland Koch
Ich sammle jetzt Beschwerden. Beschwerden darüber, dass ich seit Wochen nix Neues mehr hierein geschrieben habe. Bislang habe ich - zwei. Sehr beeindruckend.
Aber ich hab auch nicht viel zu erzählen. Nicht, dass mein Leben öde wäre. Ganz im Gegenteil. Es ist gerade sogar ziemlich großartig. Es passiert nur nichts. Ich hab mich in Bonn für ein Volontariat beworben. Bei der Bundeszentrale für politische Einbildung. Klingt alles toll, und das Anforderungsprofil ist wie für mich geschrieben. Aber vermutlich bewerben sich auch noch 100 000 andere. Also abwarten. Außerdem versucht jemand, der mir wohl gesonnen ist, mich bei der Frankfurter Rundschau unterzubringen. Das ist einerseits sehr reizvoll, weil's die Rundschau ist. Aber es ist andererseits auch sehr brechreizvoll, weil's Frankfurt ist. Nennt mir drei gute Gründe, nach Frankfurt zu ziehen und ich nenne euch 10 gute Gründe, es nicht zu tun: Die Eintracht, Roland Koch, die Deutsche Bank, Hessisches Gebabbel, Roland Koch, ... und nochmal Roland Koch.
Jetzt fällt mir aber doch noch was ein: Ist jemand von euch bei Second Life angemeldet? Ich würde mir das gerne mal ansehen, aber ohne mich selbst anmelden zu müssen. Mir ist das First Life lieber.
Eingestellt von Patrick @ 23:30 1 Kommentare
Dienstag, 20. Februar 2007
Hands up for Rock and Roll
Schluss mit An- und Wohlstand: Ich will Dreck, mieses Essen und Rock'n'Roll. Mit einem Wort: Ein Festival. (O.k., das waren jetzt zwei Wörter, aber klugscheißen kann ich selbst.)
Als wir am Montagabend bei Julia rumsaßen, kam Sebi auf die grandiose Idee, dieses Jahr mit möglichst vielen Leuten auf ein Festival zu fahren. Weil manche von uns das schon ganz schön lange nicht mehr gemacht haben und weil's einfach großartig wäre. Also hat mich Sebi kurzerhand zum Festival-Beauftragten gemacht, weil er es ja eh nicht gebacken bekommen würde, wie er direkt zugab.
Wie wär's denn mit dem Hurricane, vom 22.-24. Juni in Scheeßel? Bislang bestätigte Bands: Arcade Fire · Beastie Boys · Bloc Party · Die Fantastischen Vier · Fotos · Incubus · Kings Of Leon · Marilyn Manson · Me First and the Gimme Gimmes · Pearl Jam · Sonic Youth · Virginia Jetzt! Weiteres unter hurricane.de
Oder doch Rock am Ring? 1.-3- Juni, also mal nicht an Pfingsten, sondern am WE danach. Mir ist das ja eigentlich immer noch eine Nummer zu groß, aber das Line-Up ist meistens unschlagbar. Bislang bestätigt u.a. Smashing Pumpkins, Korn, Dave Matthews Band, Beatsteaks, Billy Talent, Stone Sour, Slayer. Guckst du hier: RaR
Bei Roskilde steht noch gar nix fest, Rheinkultur zählt wegen Eintagigkeit nicht, Full Force ist wohl nicht massenkompatibel und das Dynamo gibt's nicht mehr. Aber wenn ich was vergessen habe, dann schreibt es mir. Ansonsten bitte ich mal um Fingerzeige, wer wohin mitkommen wollen würde.
Eingestellt von Patrick @ 23:23 1 Kommentare
Sonntag, 11. Februar 2007
Ungefähr 2006
Jetzt ist es endlich soweit: Ich habe Fernweh. Darauf habe ich seit meiner Rückkehr gewartet. Ich hätte große Lust, euch alle noch einmal für ein paar Wochen zurückzulassen und abzuhauen.
O.k., nicht alle.
Aber seit ein paar Tagen denke ich regelmäßig an die Zeit in Kanada, die rückwirkend vielleicht doch die beste, weil beruhigendste war während der knapp vier Monate. Die Ausblicke auf den Barkley Sound, den Strand am Keeha Beach, die Seen am Icefields Parkway und den Lake Abraham haben irgendwas in mir zum Stillstand gebracht, was zuvor hektisch, fast schon unkontrolliert ausgeschlagen hatte. Als würde ein großes Uhrenpendel in mir Amok laufen und dann plötzlich ... naja, lassen wir das. Ist'n bescheuertes Bild.
Jedenfalls war es einfach zu schön, sich nicht mit so profanen Dingen wie Zukunft oder dem Datum auseinandersetzen zu müssen. Es reichte zu wissen, dass es ungefähr 2006 war. Heute hat mich ein Kollege mal wieder auf die Reise und die Berichte in der Zeitung angesprochen. Ich habe ihm gesagt, dass die nichts anderes als halbseitige Postkarten waren, auf denen ich das Wort "Ätsch!" möglichst blumig umschrieben habe.
Vor einiger Zeit hatte mir der stellvertretende Chefredakteur sogar gesagt, er wolle mal sehen, ob er diese Artikel nicht für irgendeinen thematisch passenden Journalistenpreis vorschlagen könnte. Ich wüsste nicht, dass es einen Preis für Realitätsverlust gibt, aber ich würde ihn wohl nicht ablehnen.
Eingestellt von Patrick @ 22:55 1 Kommentare
Sonntag, 4. Februar 2007
Wir sind Heiner!
Deutschland ist Weltmeister. Im Handball. Das ist diese brutale Provinz-Sportart, die vor drei Wochen fast keine Sau kannte, geschweige denn irgendeinen aktuellen Nationalspieler oder den Bundestrainer. Das ist nun anders. Gerade das Gesicht von Heiner Brand dürften mittlerweile mehr Leute kennen als das des Bundeswirtschaftsministers. Es ist aber auch nicht schwer, sich das Gesicht von Heiner Brand zu merken, denn es besteht ja praktisch nur aus Schnauzbart. Und weil uns dieses sympathische, an Stoizismus nicht zu überbietende Bartgesicht gezeigt hat, wozu Menschen fähig sind, wenn sie an sich glauben, bis zum Umfallen für ein Ziel kämpfen und bedingungslos für einander einstehen, sollten wir uns alle den selben Schnauzbart wachsen lassen. Auch die Frauen. Gerade im Handball gibt es ja einige Damen, die schon ziemlich nahe dran sind.
Die deutsche Nationalmannschaft (der Herren jetzt) hat's bei der Siegerehrung vorgemacht und ist komplett mit dickem Schnauzbart aufgelaufen. Und seien wir ehrlich: Bei einigen hat das optisch auch nichts mehr kaputt gemacht. Also lassen wir das Gesichtshaar sprießen, in Dankbarkeit und Anerkennung für die Arbeit von Heiner Brand, seinem verschworenen Team - und einem sensationellen Turnier. Wir sind Heiner!
28 000 Menschen vor dem Historischen Rathaus in Köln warten auf die neuen Handball-Weltmeister.
Eingestellt von Patrick @ 21:56 0 Kommentare
Dienstag, 30. Januar 2007
Die Verwandlung
Ich habe mir immer eingebildet, ein vergleichsweise ruhiger und besonnener Mensch zu sein. Doch beim Handballspiel Deutschland gegen Spanien gelten andere Gesetze. Ein Protokoll des WM-Viertelfinales, das ich in erster Linie für den Blog im Kölner Stadt-Anzeiger geschrieben habe, aber mangels besserer Ideen jetzt auch hier hinein setze.
17.10 Uhr. In der Tagesschau wird das Spiel angekündigt. Ich fange an zu zittern. Anspannung, Vorfreude, Nervosität.
17.20 Uhr. Rückblende auf das legendäre Viertelfinale bei den Olympischen Spielen in Athen: Deutschland gewinnt nach zweifacher Verlängerung und 7-Meter-Werfen und legt den alten Spanien-Fluch ab. Ich bekomme eine Gänsehaut, so wie damals, als mir die Spieler, die ich im Studium teilweise persönlich kennen gelernt habe, endgültig ans Herz gewachsen sind. Sympathische Riesenteddys – die natürlich auch gut zulangen können, keine Frage.
Anpfiff. Schon nach zwei Minuten empfinde ich Ehrfurcht vor dem Publikum in der Kölnarena – wie gerne wäre ich jetzt in der Halle.
7. Minute. Kehrmann vergibt im Gegenstoß die zweite gute Möglichkeit der Deutschen hintereinander. Ich stöhne hörbar auf.
12. Jetzt macht es Kehrmann besser: 6:3-Führung, ich gebe ein erstes mittellautes „Jaaa“ von mir. Mittlerweile zittere ich durchgehend.
15. Minute. Ich sitze nicht mehr, ich lauere. Roggisch bekommt eine Zeitstrafe und ruft seinem Gegenspieler „Pussy“ zu. Lippenlesen kann so einfach sein.
17. Minute. 8:6 durch Zeitz. Ich trommle erstmals auf meinem Sessel herum.
20. Minute. Fritz hält einen Siebenmeter. Ich brülle los.
24. Minute. 13:9 durch Glandorf. Meine Gestik ähnelt jetzt der der Spieler.
Halbzeit. Ich versuche, meine Notizen zu entziffern.
34. Minute. Pascal „Pommes“ Hens trifft zum ersten Mal in diesem Spiel. 17:14, und ich brülle wieder.
36. Entsetzen über Kehrmanns vergebenen Gegenstoß. Zum Glück ist Henning Fritz jetzt nur noch vom Kreisläufer-Schrank Urios zu bezwingen. Preiß trifft für Deutschland, ich werde jetzt ernsthaft laut.
38. Minute. Krauss trifft - Ich fange an, die Luft zu verprügeln.
40. Minute. Kehrmann entdeckt seine alte Krankheit wieder: zu viele Trickwürfe. Ich ächze, stöhne, schlage die Hände über dem Kopf zusammen.
42. Minute. Ich spüre meine Halsschlagader pochen.
43. Minute. Glandorf mit dem 20:17. Ich schreie los.
46. Minute. Fritz hält sensationell im Sprung, mit dem linken Fuß. Keinen Schimmer, wie er das angestellt hat. Ich reiße die Fäuste hoch.
47. Minute. Torsten „Toto“ Jansen vergibt einen Siebenmeter. Ich stöhne laut auf und denke besorgt an meine Nachbarn. Etwa eine halbe Sekunde lang.
49. Minute. Hens hämmert den Ball zum 23:21 ins spanische Tor. Ich erschrecke vor meinem eigenen Gebrüll. Doch die Deutschen verlieren jetzt kurz den Faden.
51. Minute. Ausgleich. Ich bleibe merkwürdig ruhig. Ich vertraue der Mannschaft.
54. Minute. Schwarzer trifft beim Gegenstoß zum 25:23. Ich bin jetzt bei maximaler Lautstärke.
56. Minute. Fritz hält weiter grandios. In der Halle ist es unglaublich laut.
58. Minute. Die Schiedsrichter pfeifen zum dritten Mal innerhalb weniger Minuten eindeutig gegen Deutschland. Und Krauss vertendelt den Ball. Dann pfeifen die Schiris ein Stürmerfoul gegen Spanien. Ich lache kurz, denn die Entscheidung war ebenfalls eindeutig falsch – aber für Deutschland trotzdem goldrichtig.
60. Minute. Toto trifft, ich stoße einen hohen, spitzen Schrei aus. Deutschland führt 26:24. Die letzte Minute läuft, mein Herz rast. Siebenmeter für Spanien: Ich flehe, Fritz möge den Ball halten. Doch Romero verwandelt sicher.
Auszeit. Noch 16 Sekunden zu spielen. Ich habe keine Worte mehr für das, was in mir vorgeht. Dann fällt die Entscheidung, und wieder ist es Toto Jansen. Ich springe in die Luft, reiße die Hände hoch, brülle alles heraus. Alles.
Abpfiff. Die Kölnarena bebt. Ich muss jetzt ein frisches T-Shirt anziehen. Und höre auf dem Weg ins Bad die 19 000 Verrückten in der Kölnarena: „Oh wie ist das schön…!“
Eingestellt von Patrick @ 19:13 0 Kommentare
Montag, 22. Januar 2007
Blut und Armut
Lieber reich und gesund als arm und krank.
Andi, vorhin am Telefon: "Irgendwie sind gerade alle sowas von pleite. Ich dachte, es geht bergauf in Deutschland!" Dann hat er noch entdeckt, dass man sogar seinen Dispo überziehen kann. Und war auch noch froh darüber.
Mir geht's ähnlich. Wobei das in meinem Fall wissenschaftlich erklärbar ist: Nach einer Studie des "National Bureau of Economic Research" in Boston verdienen Männer, die als Jugendliche massiv gesoffen haben, zehn Jahre später um bis zu 14 Prozent mehr Geld als ewige Abstinenzler. Weil man(n) beim Trinken soziale Kontakte knüpft, die später wichtig werden. Tja, wenn ich das damals gewusst hätte.
Aber obwohl ich mich jetzt stattdessen - frei nach Harald Schmidt - endgültig zur Mediennutte mache und mehr Artikel schreibe als je zuvor, habe ich vorsichtshalber schon mal recherchiert, wie viel Geld man fürs Blutspenden an der Kölner Uniklinik bekommt. Und selbst das ist enttäuschend. Einen Kaufhof- oder Saturngutschein im Wert von 10 Euro gibt's für Erstspender, Bares erst ab dem zweiten Mal. Ich fürchte, das ist es mir nicht wert, zumal ich letzte Woche schon beim läppischen Blutabnehmen für die Erfolgskontrolle meiner letzten Impfauffrischung so weiß geworden bin wie die Welt vor mir schwarz. Wenn mir jemand gleich einen halben Liter abnimmt, muss er es wohl am anderen Arm direkt wieder reinpumpen, andernfalls kann er mich vom Fußboden aufwischen.
Von solch unerfreulichen Gedankenspielen lenke ich mich ab, indem ich Artikel über die Simpsons schreibe und dem stellvertretenden Chefredakteuer erfolgreich als ernsthafte journalistische Arbeit verkaufe. Oder indem ich SPIEGEL-Geschichten über transsexuelle Teenager lese. Politische Bildung halt. Doch wenn ich dann lerne, was Kim-die-mal-Tim-war schon als 12-Jährige an medizinischen Grausamkeiten über sich ergehen lässt, dann komme ich mir mit meiner Abneigung vor der Blutspende schon ein wenig armselig vor: Wer von uns beiden ist eigentlich das Mädchen?
Eingestellt von Patrick @ 22:19 0 Kommentare
Donnerstag, 18. Januar 2007
Hypopathetisch
Ich hab's getan. Ich habe Bewerbungen geschrieben, für ferne Städte. Hamburg und ... naja... Neuss. Soll heißen: Ich rede mir ein, Köln tatsächlich verlassen zu können, wenn es beruflich erforderlich sein sollte. Obwohl ich vorgestern erst die Filmperle "Absolute Giganten" gesehen habe, was mich schmerzhaft daran erinnert hat, wie verdammt schwer sowas sein muss:
"Es müßte immer Musik da sein, bei allem, was du machst. Und wenn es mal so richtig scheiße ist, dann ist wenigstens noch die Musik da. Und an der Stelle, wo es am allerschönsten ist, müßte die Platte springen, und du hörst immer nur diesen einen Moment." Sagt Floyd im Film, kurz bevor er Hamburg verlässt.
Aber während draußen Kyrill, der Sturm der Entrüstung tobt und meine Fenster einigermaßen besorgniserregend weit ins Innere meiner Wohnung presst, denke ich darüber nach, was ich am letzten Abend machen würde, bevor ich Köln den Rücken kehren müsste. Rein hypo(pa)thetisch.
Es müsste ein Best of sein. Best of Alles. Kicken in der Soccer-World gehört dazu. Irgendwer müsste Benny den Ball nochmal wuchtig auf den Hintern schießen, und Schorsch würde nochmal rufen "Warum hält der Benny denn auch immer den Arsch hin!?" Und Andi würde sagen "Weil der Benny das gewohnt ist." Sowas rohes, männliches halt. Dann müsste Carola den Schorsch nochmal umtreten. Weil das auch irgendwie roh und männlich war damals.
Eine fette Runde "Illuminati" wäre Pflicht. Mit Osna-Andi, Sebi und Sven. Irgendeine Frau müsste danebensitzen und 20 Minuten lang darauf warten, dass irgendwer irgendwas macht. Aber nichts würde passieren, und sie müsste sich grummelnd den Weg durch die Rauchschwaden ins Freie suchen. Sie würde das Spiel unglaublich öde finden - wir unglaublich spannend. Nach sechs Stunden würde Sven dann seinen Sieg erklären und für alle Fälle noch drei Konterkarten haben, um unsere Konterkarten zu kontern.
Grillen müsste man auch, im Rheinpark. Weil ich noch nie so viel gegessen habe ohne zu kotzen wie vor zwei Jahren, als wir dort auf die Kölner Lichter gewartet haben.
Billard könnten wir spielen, im Low Budget, und irgendwer müsste Kamillentee bestellen. Das ungläubig-entgleiste Gesicht des Barkeepers werde ich nie vergessen.
Tanzen natürlich. Oder besser: Rocken. Vorzugsweise in der LMH, denn eigentlich haben wir uns unsere goldenen Dauerkarten längst verdient. Und auf der Tanzfläche müssten stehen: Der alles mitsingende Portugiese, der mal lange Haare und weiße Kontaktlinsen hatte, der kleine Typ, dessen Hose jahrelang allen Gesetzen der Schwerkraft spottete, die Patschullifrau, die ich nie gesehen, aber immer gerochen habe, und all die anderen ehemaligen Stammgäste, die schon da waren, als ich 1999 zum ersten Mal die Halle betrat.
Im Morgengrauen dann nach Hause gehen, Hand in Hand mit einer ganz bestimmten Person, die mich mit ihren großen Augen ansehen und dann endlich mal laut sagen würde, dass sie mich genauso mag wie ich sie. Obwohl ich das natürlich längst weiß.
Genug Stoff für mehr als einen Abend. Und doch kommt es mir nicht ausreichend vor. Zu wenig Drama, zu wenig ganz großes Kino. Um ehrlich zu sein: Ich habe nicht die geringste Ahnung, was ich an so einem Abend wirklich tun sollte. Ich hoffe, diese verdammten Bewerbungen bleiben erfolglos.
Eingestellt von Patrick @ 17:57 0 Kommentare
Montag, 15. Januar 2007
Ein Mann, ein Fnord
Robert Anton Wilson ist tot. Das ist nun schon der zweite Schriftsteller, der in diesem Jahrtausend einfach den Löffel abgibt, ohne mir vorher den Sinn des Lebens erklärt zu haben, obwohl er es wahrscheinlich gekonnt hätte. (Der erste war natürlich Douglas Adamas.) Ich habe für so ein Verhalten kein Verständnis.
Aber vielleicht hat Wilson die entscheidende Botschaft mit seinem letzten Atemzug geliefert: Er starb am 11.01. um 4.50 Uhr im Alter von 74 Jahren. Die Quersumme dieser Zahlen ist - natürlich - 23. Nachzulesen im Artikel meines begnadeten Kollegen Christian Bos vom 12. Januar: "Wahrheit und Wahnsinn"
Wer jetzt nur Bahnhof versteht, sieht sich mit einer zentralen Theorie Wilsons konfrontiert: Kommunkation ist nur unter Gleichen möglich.
Fnord.
Eingestellt von Patrick @ 23:45 0 Kommentare
Freitag, 5. Januar 2007
Bernd, das Chaos
Freiheit ist doof.
Was ich mir zuerst als spannende Lebensphase eingeredet habe - das vogelfreie Arbeiten, das Aufträge Ergattern, das Nichtfestgelegtsein - entpuppt sich schon nach einer Woche als völlig untauglich für mich. Ich brauche Struktur! Mein ehemaliger Chef, ein schwer beschäftigter Mann, hat heute tröstliche Worte gefunden:
"Es gibt immer wieder Phasen, da steht das Chaos an deiner Tür. Dann sag einfach 'Komm doch rein, ich hab dich schon erwartet'. Nach ein paar Tagen verschwindet es dann wieder."
Weise Worte. Ich habe also beschlossen, mit meinem Chaos zu sprechen - und ihm einen Namen zu geben. Ich nenne es Bernd. Bernd, das Chaos.
Bernd ist immer dabei, wenn ich gesagt bekomme, dass ich kaum Perspektiven im Verlag habe und mir am selben Tag jemand verspricht, sich für mich stark zu machen. Wenn ich darüber nachdenke, wie es wäre, in eine andere Stadt ziehen zu müssen und zu wissen, dass das ich das momentan nicht übers Herz bringen würde. Wenn mir zwei Leute versprechen, dass ich einen bestimmten Job übernehmen kann und ein dritter sagt, so einfach ist das nicht. Wenn ich schwanke zwischen einem neuen Anlauf an Ort und Stelle und einem Weglauf an eine andere Stelle.
Ich fürchte, dass ich in nächster Zeit noch häufiger Besuch von Bernd dem Chaos bekommen werde. Nehmt es mir also nicht übel, wenn ich ihm dann meine ganze Aufmerksamkeit schenke. Denn nur so werde ich ihn schnell wieder los. Aber wenn ihr mir verratet, wie ihr eure Chaosse zuverlässig verjagt, dann lasst es mich wissen.
Eingestellt von Patrick @ 22:26 2 Kommentare
Montag, 1. Januar 2007
Weltfrieden und Zungenküsse
Frohes Neues!
Auf ein Jahr voller Aufstiegsfeiern, Bestleistungen, Chaostage, Dramatik, Erdbeertorten, Festivals, Gehaltserhöhungen, Hitzefrei, Idealbedingungen, Jobangebote, Konzerte, Lachkrämpfe, Muskelzuwachs, Neuanfänge, Orgasmen, Pioniertaten, Quantensprünge, Rock'n'Roll, Sonnenbrände, Traumtore, Urlaub, Versöhnungen, Weltfrieden, X-trawürste, YouTube-Videos und Zungenküsse.
Eingestellt von Patrick @ 23:28 0 Kommentare
