Montag, 27. Juli 2009

Guten Tag, ich bin der neue Zombie

Das Gruselkabinett "London Bridge Experience & London Tombs" sucht Berufszombies. Kein Scherz. Arbeitskleidung ist selbst mitzubringen, außerdem soll man gut im Erschrecken und Fürchtenlehren sein. Jahresgehalt: knapp 35.000 Euro. Und dafür den ganzen Tag in der Geisterbahn rumlungern und ab und zu "Buh" machen. Oder mal ein Gehirn essen.

Das macht nachdenklich. Über eine zweite Karriere, einen neuen Anlauf. Je älter man wird, desto weniger müsste man sich schminken, desto leichter würde also der Job - wo gibt's das schon? London ist ja auch eine schöne Stadt.

Bei der nächsten existenziellen Krise werde ich nachfragen, ob der Zombiejob noch zu haben ist. Wobei, die Arbeitsbedingungen sind kaum besser als bei uns in der Redaktion ...

Freitag, 24. Juli 2009

Selbstbetrug

Wenn man mich in den letzten Monaten gefragt hat, ob ich mich schon in Frankfurt eingelebt habe, dann habe ich gesagt, es wird. Langsam - aber es wird. Die ersten freundschaftsähnlichen Kontakte, die netten Handballer und so weiter.

Ein Stück weit habe ich mir da selbst etwas vorgemacht.

Im Juli habe ich noch keinen Abend außerhalb meiner Wohnung verbracht, wenn man vom Sport mal absieht. Meine ehemalige Nachbarin, mit der ich ab und zu mal Klettern war, habe ich im April zum letzten Mal gesehen oder gesprochen. Die einzige andere Person, die ich kenne und die nicht aus der Redaktion kommt, hat mich zuletzt ein paar Mal vertröstet, obwohl sie immer sagt, dass sie in exakt der selben Situation steckt wie ich. Und dass Basti ab September noch so viel Zeit haben wird wie bisher - zum Fuballgucken, Trainieren oder Schnitzelessen - sollte ich mir auch schnellstens ausreden. Er wird dann als frischgebackener Vater mehr als genug um die Ohren haben.

Nun kommt auch noch dazu, dass die Stimmung bei der Arbeit gerade ziemlich mies ist. Das liegt einerseits an gewissen technischen Problemen, die mich daran denken lassen, wie paradiesisch es sein muss, für ein reines Online-Medium zu arbeiten. Dann fällt der ganze Ärger um Abgabezeiten, Textlängen und Layoutänderungen weg, und es bleibt mehr Zeit für Journalismus. Theoretisch.

Zum Anderen fühlen sich einige alteingesessene Redakteure bei uns gerade offenbar von neuen Kollegen bedroht. Anders kann ich mir die zutiefst vergifteten, unverschämten und kontraproduktiven, für alle sichtbaren Mails nicht erklären, die ich gerade täglich in meinem Postfach finde. Nein, ich bin nicht der Adressat, aber ich kriege durch die Sammeladressen mit, wie sehr sich einige Leute daneben benehmen. Sowas erlebe ich zum ersten Mal - und es verdirbt mir die Laune.

Schönes Wochenende.

Montag, 20. Juli 2009

Kultur - oder besser: "Kultur"

Natalie hat als Neu-Bonnerin ein Gutscheinheft zur Begrüßung bekommen, mit dem sie kostenlos in mehrere Museen, Theater etc. gehen darf. Also haben wir uns gedacht, wir machen mal was radikal anderes als in den letzten 2,5 Jahren. Wir machen mal Kultur.

Samstagnachmittag waren wir im Haus der Geschichte und haben uns eine Sonderausstellung über Bild-Ikonen angesehen. Fotos, die weltberühmt sind und für ein besonderes Ereignis stehen. Die Bilder und ihre Geschichten über Zufälle, Fälschungen etc. waren richtig interessant, aus politischer, historischer und journalistischer Sicht. Soweit, so kulturell also.

Abends dann Contra-Kreis-Theater. War meine Idee. Aber erstens habe ich vorher nicht gesehen, dass es eine Komödie sein sollte. Das hätte ich dann gelasen, denn bei Komödien habe ich, zumindest was Filme angeht, grundsätzlich ein eher unglückliches Händchen.

Zweitens habe ich nicht geahnt, dass es schlimmstes Bauerntheater sein würde. Schenkelklopfer für Senioren, wie Millowitsch ohne Dialekt. Ich hatte zur Pause schon innere Blutungen vor lauter Fremdschämen, so schlimm war's. Und neben mir eine Oma, die ihrem greisen Gefährten jeden zweiten Gag nacherzählen musste, weil er taub war. Dann sagt die auch noch sowas wie "Auf solche Witze muss man erstmal kommen." Da hatte sie irgendwie auch wieder recht.

Jedenfalls war's anti-kulturell und mit das Schlimmste, was ich jemals auf einer Bühne gesehen habe. Für die Eingeweihten: Lieber gehe ich nochmal zu einem Konzert von Dillinger Escape Plan.

Das nächste Stück sucht Natalie aus. Dann bin ich wenigstens nicht schuld. Übrigens war nur ihre Karte kostenlos. Meine hat 24 Euro gekostet.

Sonntag, 19. Juli 2009

Vogonen und die Deutsche Bahn

Auf dem Weg zum Bahnhof in Bonn sage ich noch: "Bin ich froh, dass ich diese Mitfahrgelegenheiten nicht mehr nehmen muss - Zugfahren ist doch viel stressfreier, und die Strecke über Koblenz auch kaum teurer."

Am Bahnhof dann die Überraschung: Der Zug nach Frankfurt fährt heute nicht, jedenfalls nicht über Bonn. Nur der knapp doppelt so teure mit dem Umweg über Siegburg. Ich zur Bahn-Info-Schnepfe: "Ich darf also mehr Geld dafür zahlen, dass die Bahn meine Strecke NICHT fährt?" Sie: "Ja. Das liegt an den Bauarbeiten. Das ist schon seit Monaten bekannt und seit Wochen bekanntgegeben worden."

VogoneWoran erinnert uns das? An "Per Anhalter durch die Galaxis". Vogone (siehe Bild): "Bewohner der Erde, bitte herhören. Wie Ihnen zweifellos bekant sein wird, sehen die Pläne zur Entwicklung der Außenregionen der Galaxis den Bau einer Hyperraum-Expressroute durch Ihr Sternensystem vor, und bedauerlicherweise ist Ihr Planet einer von denen, die gesprengt werden müssen."

Erdbewohner geraten in Panik.

Vogone: "Es gibt überhaupt keinen Grund, dermaßen überrascht zu tun. Alle Planungsentwürfe und Zerstörungsanweiseungen haben fünfzig Ihrer Erdenjahre lang in Ihrem zuständigen Planungsamt auf Alpha Centauri ausgelegen."

Der Rest vom Wochenende wird ein eigener Blogeintrag. Morgen.

Dienstag, 14. Juli 2009

Quark-Gluonen-Plasma

Am Sonntag hat Matthias aus meinem Abi-Jahrgang bei mir übernachtet und mir in einem Nebensatz erzählt, wo er ab Oktober arbeiten wird. Beim Abitreffen im Juni hieß es noch, er würde nach New Jersey gehen und dort forschen.

Kein Grund, ihm zu gratulieren, dachte ich damals. New Jersey ist ja sowas wie das Chemnitz der USA. Und die Frauen da... "What's the difference between trash and Jersey girls? Trash gets picked up." Den hat mir ein Jersey-Girl erzählt, das ich mal auf einem Berg in Kanada kennen gelernt habe.

Aber Matthias ist Physiker und forscht ab Oktober in Princeton. An dieser Elite-Ivy-League-Einstein-was-here-Universität für Superschlaue. Die kann ja nix dafür, dass sie in NJ liegt. Ist ja trotzdem eine der renommiertesten Unis des Planeten. Ist lange her, dass ich so beeindruckt war.

Auf meine Frage, ob er mir in einfachen Worten erklären könnte, was genau er dort erforschen wird, sagte er irgendwas mit Quark-Gluonen-Plasma und String-Theorie. Er hätte auch einfach "Nein" sagen können.

Montag, 6. Juli 2009

Mit drei "ö"

Es sollte viel öfter Samstag sein. Der vergangene jedenfalls war ein guter. Wir hatten die wohl entspannendste Anreise zur Rheinkultur ever. Das Wetter war perfekt, und abends haben Selig ein wirklich gelungenes Konzert gespielt. "Was machen die denn für Musik?", wurde ich vorher gefragt. Darüber musste ich nachdenken. Die Erleuchtung kam dann, als wir während der Show mit bestem Bühnenblick am Wellenbrecher standen und links von uns die Bungeespringer bungeegesprungen sind.

Selig machen Bungeesprungrock. "High", "Sie hat geschrien", "Schau Schau" - Text und Musik haben irgendwie immer gepasst, wenn man es sich nur ein bisschen eingeredet hat. Aber vielleicht gut, dass sie nicht ihren Song "Ich fall in deine Arme" gespielt haben.

Jedenfalls war's schööön. (Beweisfoto reiche ich nach, wenn ich noch eins bekomme.)

Mittwoch, 1. Juli 2009

Zur Lage der Nation

Zugegeben, in letzter Zeit habe ich hier viel über meine Arbeit geschrieben. Das mögen einige von euch nur mäßig interessant finden. Vor allem, wenn man ab und zu ins Nachbarblog von Laura schaut, die auf den Philippinen ein Abenteuer nach dem anderen erlebt.

Aber ich habe derzeit einfach eine Phase, in der ich sozusagen Lust auf Karriere habe. Das klingt jetzt allerdings größenwahnsinniger als es ist. Die letzten 17 Monate - die Volo-Zeit - sind unfassbar schnell rumgegangen, und ich weiß, dass ich mich dabei deutlich weiterentwickelt habe. Mir war mit 19 Jahren schon klar, was ich werden will. Jetzt bin ich fast 32 - und am Ziel von damals. Und ich bin heilfroh, dass ich mehr will. Andernfalls würde ich in ein Loch fallen.

Es ist noch nichts spruchreif, aber es gibt vorsichtige Signale, dass in absehbarer Zeit auch noch ein weiterer kleiner Schritt möglich sein könnte. (Wenn das nicht zurückhaltend formuliert ist, dann weiß ich auch nicht...) Das zwingt mich aber jetzt dazu, mal darüber nachzudenken, was ich eigentlich als Journalist erreichen will. Will ich einfach nur in Ruhe in einer Redaktion sitzen und irgendeine Zeitung für irgendeinen Leser machen? Bin ich ein notorischer Besserwisser, der möglichst vielen Menschen seine Sicht auf das Weltgeschehen vorsetzen will? Oder will ich die Welt wenn schon nicht beherrschen, dann wenigstens verändern? Oder irgendwas dazwischen? Ansatzweise beschäftigt mich das schon seit einigen Monaten, und deshalb ist mein Blog zumindest gefühlt etwas monothematisch geraten.

Alles hat seine Zeit. Jetzt ist die Zeit für solche Überlegungen - und gegebenenfalls die nötigen Konsequenzen. Euer Job bei der Sache ist, mir ab und zu einen Tritt zu geben, damit ich auch mal an was anderes denke. An Menschen, die besucht, an Orte, die bereist und an Ereignisse, die befeiert* werden müssen.

* künstlerische Freiheit

Endloser Sommer

Zurück in Frankfurt. Gestern Volontariat unspektakulär beendet, in jetzt noch 45 Minuten erstmals als Redakteur tätig. Noch zu müde, um angemessen stolz wie Bolle und glücklich zu sein.

Schönes WE gehabt mit Kino, lecker Thailänder, Underground und Edelweißpiratenfestival im Friedenspark, den ich in den zehn Jahren meines Kölner Lebens nicht ein einziges Mal betreten hatte. Dort natürlich alte Freunde wiedergetroffen.

Und am kommenden Samstag ist Rheinkultur. Und heute abend läuft "The Endless Summer 2" im Filmmuseum - den hab ich zuletzt im Surfcamp mit der SpoHo gesehen, das müsste 1999 gewesen sein. Richtig, Jan?