Ich hab's getan. Ich habe Bewerbungen geschrieben, für ferne Städte. Hamburg und ... naja... Neuss. Soll heißen: Ich rede mir ein, Köln tatsächlich verlassen zu können, wenn es beruflich erforderlich sein sollte. Obwohl ich vorgestern erst die Filmperle "Absolute Giganten" gesehen habe, was mich schmerzhaft daran erinnert hat, wie verdammt schwer sowas sein muss:
"Es müßte immer Musik da sein, bei allem, was du machst. Und wenn es mal so richtig scheiße ist, dann ist wenigstens noch die Musik da. Und an der Stelle, wo es am allerschönsten ist, müßte die Platte springen, und du hörst immer nur diesen einen Moment." Sagt Floyd im Film, kurz bevor er Hamburg verlässt.
Aber während draußen Kyrill, der Sturm der Entrüstung tobt und meine Fenster einigermaßen besorgniserregend weit ins Innere meiner Wohnung presst, denke ich darüber nach, was ich am letzten Abend machen würde, bevor ich Köln den Rücken kehren müsste. Rein hypo(pa)thetisch.
Es müsste ein Best of sein. Best of Alles. Kicken in der Soccer-World gehört dazu. Irgendwer müsste Benny den Ball nochmal wuchtig auf den Hintern schießen, und Schorsch würde nochmal rufen "Warum hält der Benny denn auch immer den Arsch hin!?" Und Andi würde sagen "Weil der Benny das gewohnt ist." Sowas rohes, männliches halt. Dann müsste Carola den Schorsch nochmal umtreten. Weil das auch irgendwie roh und männlich war damals.
Eine fette Runde "Illuminati" wäre Pflicht. Mit Osna-Andi, Sebi und Sven. Irgendeine Frau müsste danebensitzen und 20 Minuten lang darauf warten, dass irgendwer irgendwas macht. Aber nichts würde passieren, und sie müsste sich grummelnd den Weg durch die Rauchschwaden ins Freie suchen. Sie würde das Spiel unglaublich öde finden - wir unglaublich spannend. Nach sechs Stunden würde Sven dann seinen Sieg erklären und für alle Fälle noch drei Konterkarten haben, um unsere Konterkarten zu kontern.
Grillen müsste man auch, im Rheinpark. Weil ich noch nie so viel gegessen habe ohne zu kotzen wie vor zwei Jahren, als wir dort auf die Kölner Lichter gewartet haben.
Billard könnten wir spielen, im Low Budget, und irgendwer müsste Kamillentee bestellen. Das ungläubig-entgleiste Gesicht des Barkeepers werde ich nie vergessen.
Tanzen natürlich. Oder besser: Rocken. Vorzugsweise in der LMH, denn eigentlich haben wir uns unsere goldenen Dauerkarten längst verdient. Und auf der Tanzfläche müssten stehen: Der alles mitsingende Portugiese, der mal lange Haare und weiße Kontaktlinsen hatte, der kleine Typ, dessen Hose jahrelang allen Gesetzen der Schwerkraft spottete, die Patschullifrau, die ich nie gesehen, aber immer gerochen habe, und all die anderen ehemaligen Stammgäste, die schon da waren, als ich 1999 zum ersten Mal die Halle betrat.
Im Morgengrauen dann nach Hause gehen, Hand in Hand mit einer ganz bestimmten Person, die mich mit ihren großen Augen ansehen und dann endlich mal laut sagen würde, dass sie mich genauso mag wie ich sie. Obwohl ich das natürlich längst weiß.
Genug Stoff für mehr als einen Abend. Und doch kommt es mir nicht ausreichend vor. Zu wenig Drama, zu wenig ganz großes Kino. Um ehrlich zu sein: Ich habe nicht die geringste Ahnung, was ich an so einem Abend wirklich tun sollte. Ich hoffe, diese verdammten Bewerbungen bleiben erfolglos.
Donnerstag, 18. Januar 2007
Hypopathetisch
Eingestellt von Patrick @ 17:57
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