Montag, 22. Januar 2007

Blut und Armut

Lieber reich und gesund als arm und krank.

Andi, vorhin am Telefon: "Irgendwie sind gerade alle sowas von pleite. Ich dachte, es geht bergauf in Deutschland!" Dann hat er noch entdeckt, dass man sogar seinen Dispo überziehen kann. Und war auch noch froh darüber.

Mir geht's ähnlich. Wobei das in meinem Fall wissenschaftlich erklärbar ist: Nach einer Studie des "National Bureau of Economic Research" in Boston verdienen Männer, die als Jugendliche massiv gesoffen haben, zehn Jahre später um bis zu 14 Prozent mehr Geld als ewige Abstinenzler. Weil man(n) beim Trinken soziale Kontakte knüpft, die später wichtig werden. Tja, wenn ich das damals gewusst hätte.

Aber obwohl ich mich jetzt stattdessen - frei nach Harald Schmidt - endgültig zur Mediennutte mache und mehr Artikel schreibe als je zuvor, habe ich vorsichtshalber schon mal recherchiert, wie viel Geld man fürs Blutspenden an der Kölner Uniklinik bekommt. Und selbst das ist enttäuschend. Einen Kaufhof- oder Saturngutschein im Wert von 10 Euro gibt's für Erstspender, Bares erst ab dem zweiten Mal. Ich fürchte, das ist es mir nicht wert, zumal ich letzte Woche schon beim läppischen Blutabnehmen für die Erfolgskontrolle meiner letzten Impfauffrischung so weiß geworden bin wie die Welt vor mir schwarz. Wenn mir jemand gleich einen halben Liter abnimmt, muss er es wohl am anderen Arm direkt wieder reinpumpen, andernfalls kann er mich vom Fußboden aufwischen.

Von solch unerfreulichen Gedankenspielen lenke ich mich ab, indem ich Artikel über die Simpsons schreibe und dem stellvertretenden Chefredakteuer erfolgreich als ernsthafte journalistische Arbeit verkaufe. Oder indem ich SPIEGEL-Geschichten über transsexuelle Teenager lese. Politische Bildung halt. Doch wenn ich dann lerne, was Kim-die-mal-Tim-war schon als 12-Jährige an medizinischen Grausamkeiten über sich ergehen lässt, dann komme ich mir mit meiner Abneigung vor der Blutspende schon ein wenig armselig vor: Wer von uns beiden ist eigentlich das Mädchen?

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