Dienstag, 30. Oktober 2007

Lächerlich

Das Rauchverbot mobilisiert die Massen in Frankfurt: Gestern habe ich schon die zweite Demo für Qualmfreiheit durch die Straßen ziehen sehen. Es war der erbärmlichste Haufen Demonstranten seit der elftausendsten Anti-Hartz-IV-Veranstaltung. Etwa 100 Eckkneipenbodensatzbewohner grölten reichlich schief "In uns'rer Kneipe am Ende der Straße" durch Sachsenhausen und hielten DIN-A-4-Zettel mit kryptischen Botschaften in Times New Roman Größe 10 hoch. Das wird Herrn Koch mächtig beeindruckt haben. Wenn die deutsche Protestkultur so weiter macht, dürften Demos demnächst wegen Lächerlichkeit verboten werden.

Dabei gibt's schlimmeres als ein Rauchverbot: Gestern ist in Norwegen ein Hubschrauber mit drei Männern an Bord abgestürzt - und zwar auf einen parkenden Tanklastzug. Was geht einem wohl durch den Kopf, wenn sowas passiert? Man schmiert gerade ab, und dann sieht man, dass man in einem Land mit einer Bevölkerungsdichte von 13,2 Einwohnern pro Quadratkilometer ausgerechnet auf einen Tanklastzug mit schätzungsweise 20.000 Benzin an Bord fällt - und das auch noch an einem Montag! ich glaube, ich müsste lachen.

Ach ja, es nichts passiert. Keine Explosion, keine Toten. Das Leben ist ein Witz, bei dem jemand die Pointe versaut hat.

Montag, 22. Oktober 2007

Psst, ich bin Superman

Diese Kontaktlinsen sind Teufelszeug. Man hat das Gefühl - jedenfalls wenn man sonst so blind ist wie ich - plötzlich mit den eigenen Augen so gut zu sehen wie niemand sonst. Als hätte man Superkräfte und könnte kilometerweit sehen, wenn man sie trägt. Und so laufe ich durch die Straßen und starre Leute an, weil mir irgendwas einflüstert, dass ich zwar sie, sie aber nicht mich erkennen können, weil ich noch viel zu weit weg bin.

Es wird wohl noch eine Weile oder ein "Was glotzt du so, du Arsch?" brauchen, bis ich wirklich verstehe, dass alle anderen auch gut sehen. Einfach, weil sie ganz normal gucken können. Oder weil sie auch Supermans Kontaktlinsen tragen.

Sonntag, 7. Oktober 2007

Sehr geehrter Herr Mehdorn!

Soeben hatte ich eine Mitfahrgelegenheitsmitfahrt von Köln nach Frankfurt, die ich Ihnen nicht vorenthalten möchte. Mit mir im Opel Corsa saßen Sebastian, Stefan und Tina.

Stefan macht ein Praktikum bei den Wirtschaftsprüfern von PriceWaterhouseCoopers, weshalb er auch Michael kennt. Denn Michael macht nicht nur das gleiche Praktikum und sitzt am Schreibtisch gegenüber, sondern ist schon zwei Mal mit mir von FFM nach Köln gefahren. Wir drei kennen auch alle den John, der ebenfalls ständig pendelt und jeden von uns schon mal mitgenommen hat.

Sebastian macht exakt das, was ich auch gerade in FFM versuche: Beruflich hier einsteigen, einen langsamen Übergang vom Rhein an den Main schaffen und irgendwie nette Leute kennen lernen. Er macht das seit ein paar Monaten und ist dabei durchaus erfolgreich, was mir irgendwie Mut macht.

Tina klettert. In drei Wochen auf den Kilimanjaro, was ich insgeheim auch mal gerne machen möchte, weshalb ich sehr interessiert an ihren Vorbereitungen etc. bin. Außerdem klettert sie gerne in Kletterhallen, und zwar im selben Schwierigkeitsgrad wie ich. Und weil sie auf der anderen Straßenseite wohnt und gerade in mein Zimmer gucken kann, habe ich wohl (hoffentlich) jemanden zum Klettern gefunden.

Abgesehen davon hatte ich logischerweise einen Fahrservice bis vor die Haustür, die Reise dauerte gerade einmal 90 Minuten und hat ganze 10 Euro gekostet. Was ich damit sagen möchte, Herr Mehdorn, ist folgendes:

Ihre Bahn stinkt. Streikende Lokführer, überhöhte Preise, die noch einmal erhöht werden, zuverlässige Unzuverlässigkeit und Verspätungen, für die Sie nicht um Verständnis, sondern um Vergebung bitten sollten, lassen in mir die Frage aufkommen, warum in aller Welt ich Sie und Ihre irrsinnigen, selbstherrlichen Börsenpläne weiter unterstützen sollte, wenn es doch mit Fahrgemeinschaften so viel schöner sein kann.

Mit feindlichen Grüßen,

Patrick B.