Donnerstag, 25. Juni 2009

Pferd schmeckt wie Salami

Erstmal zur allgemeinen Belustigung:


So, Berlin ist vorbei. Fazit: Schön hier. Aber man muss Leute kennen(lernen). Das hat begrenzt gut geklappt. Mit den Netzaktivisten, Bloggern und Online-Petenten. Und gestern spontan mit zwei sehr sympathischen Damen, neben die ich mich in der völlig überfüllten Punkrockpizzeria Il Casolare am Landwehrkanal gehockt habe, weil ich ja nun mal irgendwo sitzen musste. Und so lernte ich die beiden Mittdreißigerinnen kennen, die ich beide auf Ende 20 geschätzt hätte, was euch Frauen da draußen Mut machen sollte, und um nochmal auf den eigentlich Sinn dieses Satzes zu kommen: Eine lebt eigentlich und trotz ihres heftigen sachsen-anhaltinischen Akzents in Italien und ist dort unter anderem Kunst-Journalistin, die andere sagte, sie sei vorgestern aufgewacht und ihr sei plötzlich und zum ersten Mal bewusst geworden, dass sie ein Kind hat, verheiratet ist und in einem Monat in ein kleines Kaff in den Rocky Mountains von Montana zieht, weil ihr Mann dort Germanistik-Professor wird. Das muss man nicht beneidenswert finden, aber durchaus unterhaltsam - vor allem, wenn man dabei Pferdefleischpizza ist (ja, schmeckt wirklich wie Salami).

Solche Abende jedenfalls waren insgesamt eher die Ausnahme und deshalb macht es mir nicht allzu viel aus, nächste Woche wieder in Frankfurt zu leben. Und auf den kleinen Umweg am Wochenende freue ich mich sogar.

Dienstag, 23. Juni 2009

Gott wohnt in der Betreffzeile

Da hab ich mich wie Bolle gefreut, beim Klassentreffen die Super-Illu Stefanie wiederzusehen und hoch und heilig versprochen, den Kontakt nicht abreißen zu lassen - und zwei Wochen später musste ich zugeben, das genau das zu passieren droht. Also schrieb ich eine Antwort auf ihre letzte Mail, deren Betreff "Animation" lautete. Diese Antwort hatte dementsprechend den Betreff Re:Animation - und damit war der Kontakt reanimiert.

Das hat die gute Stefanie als "Orakel" bezeichnet und mich gebeten, an dieser Stelle mal darüber zu sinnieren, wohin uns Betreffzeilen noch führen könnten, ob sie schicksalhaft sind oder nicht.

Hier also meine Re:plik.

Die Vorstellung, dass eine E-Mail-Betreffzeile unser Leben beeinflusst, hat so ihre Tücken. Ist die Betreffzeile Gott? Oder ist sie im Gegenteil der freie Wille, manifestiert in ASCII-Zeichen?

Zur ersten These: Man müsste mal überprüfen, ob Atheisten überdurchschnittlich häufig E-Mails ohne Betreff verschicken. Wenn ja, haben wir damit praktisch schon einen halben Gottesbeweis.

Zur zweiten These machen wir ein einfaches Gedankenexperiment: Ich schreibe Stefanie eine Mail mit dem Betreff hbraten. Was sagt uns dann ihre Antwort Re:hbraten? - dass sie mich zum Essen einladen will?

Das halte ich für re:lativ unwahrscheinlich. Denn für eine Re:ise von Frankfurt nach Hamburg habe ich leider nur sehr selten Zeit, und das weiß sie auch.

Ich re:kapituliere: Wir könnten ja einfach mal telefonieren.

Freitag, 19. Juni 2009

Spätfolgen

So ganz hat mich Nerd-Parade von gestern doch noch nicht losgelassen. Seit einigen Tagen frage ich mich, ob ich nicht auch anfangen sollte zu twittern. Denn: Ich möchte Teil einer Jugendbewegung sein. Und seit ich eben folgenden Tweet entdeckt habe, bin ich endgültig von der Großartigkeit dieser Plattform überzeugt:

"Gemüse wird besonders lecker, wenn man es in der Pfanne durch Schnitzel ersetzt. #kochtipp"

Kontraste

Gestern war Loser-Party bei dem bekannten Internet-Irokesen Sascha L.. "Gefeiert" wurde das frisch beschlossene Gesetz zur Einführung von Internet-Sperren, "Feiernde" waren die Aktivisten, die sich in den letzten Wochen massiv und kreativ gegen dieses Gesetz gewehrt haben. Die waren jedenfalls ordentlich geladen und planen jede Menge lustiger Aktionen. Aber für einen Nicht-Nerd wie mich war das vor allem faszinierend, weil jeder Besucher der Party mit mindestens einem Laptop und mindestens einem iPhone unterwegs war, weil Twitter auf den Flachbildfernseher an der Wand geworfen wurde, damit alle sehen, was alle gerade twittern, während alle nebeneinander sitzen, und weil sich da Leute zum ersten Mal persönlich begegnet sind, die sich seit neun Jahren virtuell kennen. Ach ja, und weil sich viele mit ihrem Twitternamen vorgestellt haben, weil sonst niemand gewusst hätte, wer sie sind.

Nebenbei habe ich noch einen Online-Ressortleiter einer bekannten deutschen WochenZEITung kennen gelernt, der mir sofort angeboten hat, als Autor für ihn zu arbeiten. Das sollte ich bei Gelegenheit wirklich mal machen.

Dann ab 0:30 der totale Kontrast zur vertwitterten Gesellschaft: Ein paar Meter weiter lief in einer Kinosondervorstellung "Into the Wild", den ich unbedingt noch sehen wollte. Hat sich gelohnt, der Film wirkt nach. Besonders, wenn man nachts um drei auf dem Fahrrad durchs das schlafende Berlin nach Hause kurvt. Schöner Abend.

Donnerstag, 18. Juni 2009

Frühstück bei Googles

Eine bekannte Suchmaschine mit zwei "o" hat mich zum Essen eingeladen. Zum Pressefrühstück. Das funktioniert so: Vorne sitzen gut gekleidete Menschen und reden. In diesem Fall über Politik im Internet. Über die Ähnlichkeiten von Barack Obama und Thorsten Schäfer-Gümbel (dürfte ein kurzes Kapitel werden) und darüber, wie man Online-Wahlkampf macht, nachdem man gerade ein Gesetz zur Schaffung von Internet-Sperren durch den Bundestag geschleust hat. Hinten sitzen derweil weniger gut gekleidete Menschen Journalisten und bekleckern sich mit Lachshäppchen.

Ich bin ein großer Fan dieses Konzepts und werde deshalb hingehen. Allein schon, um die Chef-Lobbyistin von Google in Deutschland kennen zu lernen.