Schluss mit An- und Wohlstand: Ich will Dreck, mieses Essen und Rock'n'Roll. Mit einem Wort: Ein Festival. (O.k., das waren jetzt zwei Wörter, aber klugscheißen kann ich selbst.)
Als wir am Montagabend bei Julia rumsaßen, kam Sebi auf die grandiose Idee, dieses Jahr mit möglichst vielen Leuten auf ein Festival zu fahren. Weil manche von uns das schon ganz schön lange nicht mehr gemacht haben und weil's einfach großartig wäre. Also hat mich Sebi kurzerhand zum Festival-Beauftragten gemacht, weil er es ja eh nicht gebacken bekommen würde, wie er direkt zugab.
Wie wär's denn mit dem Hurricane, vom 22.-24. Juni in Scheeßel? Bislang bestätigte Bands: Arcade Fire · Beastie Boys · Bloc Party · Die Fantastischen Vier · Fotos · Incubus · Kings Of Leon · Marilyn Manson · Me First and the Gimme Gimmes · Pearl Jam · Sonic Youth · Virginia Jetzt! Weiteres unter hurricane.de
Oder doch Rock am Ring? 1.-3- Juni, also mal nicht an Pfingsten, sondern am WE danach. Mir ist das ja eigentlich immer noch eine Nummer zu groß, aber das Line-Up ist meistens unschlagbar. Bislang bestätigt u.a. Smashing Pumpkins, Korn, Dave Matthews Band, Beatsteaks, Billy Talent, Stone Sour, Slayer. Guckst du hier: RaR
Bei Roskilde steht noch gar nix fest, Rheinkultur zählt wegen Eintagigkeit nicht, Full Force ist wohl nicht massenkompatibel und das Dynamo gibt's nicht mehr. Aber wenn ich was vergessen habe, dann schreibt es mir. Ansonsten bitte ich mal um Fingerzeige, wer wohin mitkommen wollen würde.
Dienstag, 20. Februar 2007
Hands up for Rock and Roll
Eingestellt von Patrick @ 23:23 1 Kommentare
Sonntag, 11. Februar 2007
Ungefähr 2006
Jetzt ist es endlich soweit: Ich habe Fernweh. Darauf habe ich seit meiner Rückkehr gewartet. Ich hätte große Lust, euch alle noch einmal für ein paar Wochen zurückzulassen und abzuhauen.
O.k., nicht alle.
Aber seit ein paar Tagen denke ich regelmäßig an die Zeit in Kanada, die rückwirkend vielleicht doch die beste, weil beruhigendste war während der knapp vier Monate. Die Ausblicke auf den Barkley Sound, den Strand am Keeha Beach, die Seen am Icefields Parkway und den Lake Abraham haben irgendwas in mir zum Stillstand gebracht, was zuvor hektisch, fast schon unkontrolliert ausgeschlagen hatte. Als würde ein großes Uhrenpendel in mir Amok laufen und dann plötzlich ... naja, lassen wir das. Ist'n bescheuertes Bild.
Jedenfalls war es einfach zu schön, sich nicht mit so profanen Dingen wie Zukunft oder dem Datum auseinandersetzen zu müssen. Es reichte zu wissen, dass es ungefähr 2006 war. Heute hat mich ein Kollege mal wieder auf die Reise und die Berichte in der Zeitung angesprochen. Ich habe ihm gesagt, dass die nichts anderes als halbseitige Postkarten waren, auf denen ich das Wort "Ätsch!" möglichst blumig umschrieben habe.
Vor einiger Zeit hatte mir der stellvertretende Chefredakteur sogar gesagt, er wolle mal sehen, ob er diese Artikel nicht für irgendeinen thematisch passenden Journalistenpreis vorschlagen könnte. Ich wüsste nicht, dass es einen Preis für Realitätsverlust gibt, aber ich würde ihn wohl nicht ablehnen.
Eingestellt von Patrick @ 22:55 1 Kommentare
Sonntag, 4. Februar 2007
Wir sind Heiner!
Deutschland ist Weltmeister. Im Handball. Das ist diese brutale Provinz-Sportart, die vor drei Wochen fast keine Sau kannte, geschweige denn irgendeinen aktuellen Nationalspieler oder den Bundestrainer. Das ist nun anders. Gerade das Gesicht von Heiner Brand dürften mittlerweile mehr Leute kennen als das des Bundeswirtschaftsministers. Es ist aber auch nicht schwer, sich das Gesicht von Heiner Brand zu merken, denn es besteht ja praktisch nur aus Schnauzbart. Und weil uns dieses sympathische, an Stoizismus nicht zu überbietende Bartgesicht gezeigt hat, wozu Menschen fähig sind, wenn sie an sich glauben, bis zum Umfallen für ein Ziel kämpfen und bedingungslos für einander einstehen, sollten wir uns alle den selben Schnauzbart wachsen lassen. Auch die Frauen. Gerade im Handball gibt es ja einige Damen, die schon ziemlich nahe dran sind.
Die deutsche Nationalmannschaft (der Herren jetzt) hat's bei der Siegerehrung vorgemacht und ist komplett mit dickem Schnauzbart aufgelaufen. Und seien wir ehrlich: Bei einigen hat das optisch auch nichts mehr kaputt gemacht. Also lassen wir das Gesichtshaar sprießen, in Dankbarkeit und Anerkennung für die Arbeit von Heiner Brand, seinem verschworenen Team - und einem sensationellen Turnier. Wir sind Heiner!
28 000 Menschen vor dem Historischen Rathaus in Köln warten auf die neuen Handball-Weltmeister.
Eingestellt von Patrick @ 21:56 0 Kommentare
Dienstag, 30. Januar 2007
Die Verwandlung
Ich habe mir immer eingebildet, ein vergleichsweise ruhiger und besonnener Mensch zu sein. Doch beim Handballspiel Deutschland gegen Spanien gelten andere Gesetze. Ein Protokoll des WM-Viertelfinales, das ich in erster Linie für den Blog im Kölner Stadt-Anzeiger geschrieben habe, aber mangels besserer Ideen jetzt auch hier hinein setze.
17.10 Uhr. In der Tagesschau wird das Spiel angekündigt. Ich fange an zu zittern. Anspannung, Vorfreude, Nervosität.
17.20 Uhr. Rückblende auf das legendäre Viertelfinale bei den Olympischen Spielen in Athen: Deutschland gewinnt nach zweifacher Verlängerung und 7-Meter-Werfen und legt den alten Spanien-Fluch ab. Ich bekomme eine Gänsehaut, so wie damals, als mir die Spieler, die ich im Studium teilweise persönlich kennen gelernt habe, endgültig ans Herz gewachsen sind. Sympathische Riesenteddys – die natürlich auch gut zulangen können, keine Frage.
Anpfiff. Schon nach zwei Minuten empfinde ich Ehrfurcht vor dem Publikum in der Kölnarena – wie gerne wäre ich jetzt in der Halle.
7. Minute. Kehrmann vergibt im Gegenstoß die zweite gute Möglichkeit der Deutschen hintereinander. Ich stöhne hörbar auf.
12. Jetzt macht es Kehrmann besser: 6:3-Führung, ich gebe ein erstes mittellautes „Jaaa“ von mir. Mittlerweile zittere ich durchgehend.
15. Minute. Ich sitze nicht mehr, ich lauere. Roggisch bekommt eine Zeitstrafe und ruft seinem Gegenspieler „Pussy“ zu. Lippenlesen kann so einfach sein.
17. Minute. 8:6 durch Zeitz. Ich trommle erstmals auf meinem Sessel herum.
20. Minute. Fritz hält einen Siebenmeter. Ich brülle los.
24. Minute. 13:9 durch Glandorf. Meine Gestik ähnelt jetzt der der Spieler.
Halbzeit. Ich versuche, meine Notizen zu entziffern.
34. Minute. Pascal „Pommes“ Hens trifft zum ersten Mal in diesem Spiel. 17:14, und ich brülle wieder.
36. Entsetzen über Kehrmanns vergebenen Gegenstoß. Zum Glück ist Henning Fritz jetzt nur noch vom Kreisläufer-Schrank Urios zu bezwingen. Preiß trifft für Deutschland, ich werde jetzt ernsthaft laut.
38. Minute. Krauss trifft - Ich fange an, die Luft zu verprügeln.
40. Minute. Kehrmann entdeckt seine alte Krankheit wieder: zu viele Trickwürfe. Ich ächze, stöhne, schlage die Hände über dem Kopf zusammen.
42. Minute. Ich spüre meine Halsschlagader pochen.
43. Minute. Glandorf mit dem 20:17. Ich schreie los.
46. Minute. Fritz hält sensationell im Sprung, mit dem linken Fuß. Keinen Schimmer, wie er das angestellt hat. Ich reiße die Fäuste hoch.
47. Minute. Torsten „Toto“ Jansen vergibt einen Siebenmeter. Ich stöhne laut auf und denke besorgt an meine Nachbarn. Etwa eine halbe Sekunde lang.
49. Minute. Hens hämmert den Ball zum 23:21 ins spanische Tor. Ich erschrecke vor meinem eigenen Gebrüll. Doch die Deutschen verlieren jetzt kurz den Faden.
51. Minute. Ausgleich. Ich bleibe merkwürdig ruhig. Ich vertraue der Mannschaft.
54. Minute. Schwarzer trifft beim Gegenstoß zum 25:23. Ich bin jetzt bei maximaler Lautstärke.
56. Minute. Fritz hält weiter grandios. In der Halle ist es unglaublich laut.
58. Minute. Die Schiedsrichter pfeifen zum dritten Mal innerhalb weniger Minuten eindeutig gegen Deutschland. Und Krauss vertendelt den Ball. Dann pfeifen die Schiris ein Stürmerfoul gegen Spanien. Ich lache kurz, denn die Entscheidung war ebenfalls eindeutig falsch – aber für Deutschland trotzdem goldrichtig.
60. Minute. Toto trifft, ich stoße einen hohen, spitzen Schrei aus. Deutschland führt 26:24. Die letzte Minute läuft, mein Herz rast. Siebenmeter für Spanien: Ich flehe, Fritz möge den Ball halten. Doch Romero verwandelt sicher.
Auszeit. Noch 16 Sekunden zu spielen. Ich habe keine Worte mehr für das, was in mir vorgeht. Dann fällt die Entscheidung, und wieder ist es Toto Jansen. Ich springe in die Luft, reiße die Hände hoch, brülle alles heraus. Alles.
Abpfiff. Die Kölnarena bebt. Ich muss jetzt ein frisches T-Shirt anziehen. Und höre auf dem Weg ins Bad die 19 000 Verrückten in der Kölnarena: „Oh wie ist das schön…!“
Eingestellt von Patrick @ 19:13 0 Kommentare
Montag, 22. Januar 2007
Blut und Armut
Lieber reich und gesund als arm und krank.
Andi, vorhin am Telefon: "Irgendwie sind gerade alle sowas von pleite. Ich dachte, es geht bergauf in Deutschland!" Dann hat er noch entdeckt, dass man sogar seinen Dispo überziehen kann. Und war auch noch froh darüber.
Mir geht's ähnlich. Wobei das in meinem Fall wissenschaftlich erklärbar ist: Nach einer Studie des "National Bureau of Economic Research" in Boston verdienen Männer, die als Jugendliche massiv gesoffen haben, zehn Jahre später um bis zu 14 Prozent mehr Geld als ewige Abstinenzler. Weil man(n) beim Trinken soziale Kontakte knüpft, die später wichtig werden. Tja, wenn ich das damals gewusst hätte.
Aber obwohl ich mich jetzt stattdessen - frei nach Harald Schmidt - endgültig zur Mediennutte mache und mehr Artikel schreibe als je zuvor, habe ich vorsichtshalber schon mal recherchiert, wie viel Geld man fürs Blutspenden an der Kölner Uniklinik bekommt. Und selbst das ist enttäuschend. Einen Kaufhof- oder Saturngutschein im Wert von 10 Euro gibt's für Erstspender, Bares erst ab dem zweiten Mal. Ich fürchte, das ist es mir nicht wert, zumal ich letzte Woche schon beim läppischen Blutabnehmen für die Erfolgskontrolle meiner letzten Impfauffrischung so weiß geworden bin wie die Welt vor mir schwarz. Wenn mir jemand gleich einen halben Liter abnimmt, muss er es wohl am anderen Arm direkt wieder reinpumpen, andernfalls kann er mich vom Fußboden aufwischen.
Von solch unerfreulichen Gedankenspielen lenke ich mich ab, indem ich Artikel über die Simpsons schreibe und dem stellvertretenden Chefredakteuer erfolgreich als ernsthafte journalistische Arbeit verkaufe. Oder indem ich SPIEGEL-Geschichten über transsexuelle Teenager lese. Politische Bildung halt. Doch wenn ich dann lerne, was Kim-die-mal-Tim-war schon als 12-Jährige an medizinischen Grausamkeiten über sich ergehen lässt, dann komme ich mir mit meiner Abneigung vor der Blutspende schon ein wenig armselig vor: Wer von uns beiden ist eigentlich das Mädchen?
Eingestellt von Patrick @ 22:19 0 Kommentare
