Lieber reich und gesund als arm und krank.
Andi, vorhin am Telefon: "Irgendwie sind gerade alle sowas von pleite. Ich dachte, es geht bergauf in Deutschland!" Dann hat er noch entdeckt, dass man sogar seinen Dispo überziehen kann. Und war auch noch froh darüber.
Mir geht's ähnlich. Wobei das in meinem Fall wissenschaftlich erklärbar ist: Nach einer Studie des "National Bureau of Economic Research" in Boston verdienen Männer, die als Jugendliche massiv gesoffen haben, zehn Jahre später um bis zu 14 Prozent mehr Geld als ewige Abstinenzler. Weil man(n) beim Trinken soziale Kontakte knüpft, die später wichtig werden. Tja, wenn ich das damals gewusst hätte.
Aber obwohl ich mich jetzt stattdessen - frei nach Harald Schmidt - endgültig zur Mediennutte mache und mehr Artikel schreibe als je zuvor, habe ich vorsichtshalber schon mal recherchiert, wie viel Geld man fürs Blutspenden an der Kölner Uniklinik bekommt. Und selbst das ist enttäuschend. Einen Kaufhof- oder Saturngutschein im Wert von 10 Euro gibt's für Erstspender, Bares erst ab dem zweiten Mal. Ich fürchte, das ist es mir nicht wert, zumal ich letzte Woche schon beim läppischen Blutabnehmen für die Erfolgskontrolle meiner letzten Impfauffrischung so weiß geworden bin wie die Welt vor mir schwarz. Wenn mir jemand gleich einen halben Liter abnimmt, muss er es wohl am anderen Arm direkt wieder reinpumpen, andernfalls kann er mich vom Fußboden aufwischen.
Von solch unerfreulichen Gedankenspielen lenke ich mich ab, indem ich Artikel über die Simpsons schreibe und dem stellvertretenden Chefredakteuer erfolgreich als ernsthafte journalistische Arbeit verkaufe. Oder indem ich SPIEGEL-Geschichten über transsexuelle Teenager lese. Politische Bildung halt. Doch wenn ich dann lerne, was Kim-die-mal-Tim-war schon als 12-Jährige an medizinischen Grausamkeiten über sich ergehen lässt, dann komme ich mir mit meiner Abneigung vor der Blutspende schon ein wenig armselig vor: Wer von uns beiden ist eigentlich das Mädchen?
Montag, 22. Januar 2007
Blut und Armut
Eingestellt von Patrick @ 22:19 0 Kommentare
Donnerstag, 18. Januar 2007
Hypopathetisch
Ich hab's getan. Ich habe Bewerbungen geschrieben, für ferne Städte. Hamburg und ... naja... Neuss. Soll heißen: Ich rede mir ein, Köln tatsächlich verlassen zu können, wenn es beruflich erforderlich sein sollte. Obwohl ich vorgestern erst die Filmperle "Absolute Giganten" gesehen habe, was mich schmerzhaft daran erinnert hat, wie verdammt schwer sowas sein muss:
"Es müßte immer Musik da sein, bei allem, was du machst. Und wenn es mal so richtig scheiße ist, dann ist wenigstens noch die Musik da. Und an der Stelle, wo es am allerschönsten ist, müßte die Platte springen, und du hörst immer nur diesen einen Moment." Sagt Floyd im Film, kurz bevor er Hamburg verlässt.
Aber während draußen Kyrill, der Sturm der Entrüstung tobt und meine Fenster einigermaßen besorgniserregend weit ins Innere meiner Wohnung presst, denke ich darüber nach, was ich am letzten Abend machen würde, bevor ich Köln den Rücken kehren müsste. Rein hypo(pa)thetisch.
Es müsste ein Best of sein. Best of Alles. Kicken in der Soccer-World gehört dazu. Irgendwer müsste Benny den Ball nochmal wuchtig auf den Hintern schießen, und Schorsch würde nochmal rufen "Warum hält der Benny denn auch immer den Arsch hin!?" Und Andi würde sagen "Weil der Benny das gewohnt ist." Sowas rohes, männliches halt. Dann müsste Carola den Schorsch nochmal umtreten. Weil das auch irgendwie roh und männlich war damals.
Eine fette Runde "Illuminati" wäre Pflicht. Mit Osna-Andi, Sebi und Sven. Irgendeine Frau müsste danebensitzen und 20 Minuten lang darauf warten, dass irgendwer irgendwas macht. Aber nichts würde passieren, und sie müsste sich grummelnd den Weg durch die Rauchschwaden ins Freie suchen. Sie würde das Spiel unglaublich öde finden - wir unglaublich spannend. Nach sechs Stunden würde Sven dann seinen Sieg erklären und für alle Fälle noch drei Konterkarten haben, um unsere Konterkarten zu kontern.
Grillen müsste man auch, im Rheinpark. Weil ich noch nie so viel gegessen habe ohne zu kotzen wie vor zwei Jahren, als wir dort auf die Kölner Lichter gewartet haben.
Billard könnten wir spielen, im Low Budget, und irgendwer müsste Kamillentee bestellen. Das ungläubig-entgleiste Gesicht des Barkeepers werde ich nie vergessen.
Tanzen natürlich. Oder besser: Rocken. Vorzugsweise in der LMH, denn eigentlich haben wir uns unsere goldenen Dauerkarten längst verdient. Und auf der Tanzfläche müssten stehen: Der alles mitsingende Portugiese, der mal lange Haare und weiße Kontaktlinsen hatte, der kleine Typ, dessen Hose jahrelang allen Gesetzen der Schwerkraft spottete, die Patschullifrau, die ich nie gesehen, aber immer gerochen habe, und all die anderen ehemaligen Stammgäste, die schon da waren, als ich 1999 zum ersten Mal die Halle betrat.
Im Morgengrauen dann nach Hause gehen, Hand in Hand mit einer ganz bestimmten Person, die mich mit ihren großen Augen ansehen und dann endlich mal laut sagen würde, dass sie mich genauso mag wie ich sie. Obwohl ich das natürlich längst weiß.
Genug Stoff für mehr als einen Abend. Und doch kommt es mir nicht ausreichend vor. Zu wenig Drama, zu wenig ganz großes Kino. Um ehrlich zu sein: Ich habe nicht die geringste Ahnung, was ich an so einem Abend wirklich tun sollte. Ich hoffe, diese verdammten Bewerbungen bleiben erfolglos.
Eingestellt von Patrick @ 17:57 0 Kommentare
Montag, 15. Januar 2007
Ein Mann, ein Fnord
Robert Anton Wilson ist tot. Das ist nun schon der zweite Schriftsteller, der in diesem Jahrtausend einfach den Löffel abgibt, ohne mir vorher den Sinn des Lebens erklärt zu haben, obwohl er es wahrscheinlich gekonnt hätte. (Der erste war natürlich Douglas Adamas.) Ich habe für so ein Verhalten kein Verständnis.
Aber vielleicht hat Wilson die entscheidende Botschaft mit seinem letzten Atemzug geliefert: Er starb am 11.01. um 4.50 Uhr im Alter von 74 Jahren. Die Quersumme dieser Zahlen ist - natürlich - 23. Nachzulesen im Artikel meines begnadeten Kollegen Christian Bos vom 12. Januar: "Wahrheit und Wahnsinn"
Wer jetzt nur Bahnhof versteht, sieht sich mit einer zentralen Theorie Wilsons konfrontiert: Kommunkation ist nur unter Gleichen möglich.
Fnord.
Eingestellt von Patrick @ 23:45 0 Kommentare
Freitag, 5. Januar 2007
Bernd, das Chaos
Freiheit ist doof.
Was ich mir zuerst als spannende Lebensphase eingeredet habe - das vogelfreie Arbeiten, das Aufträge Ergattern, das Nichtfestgelegtsein - entpuppt sich schon nach einer Woche als völlig untauglich für mich. Ich brauche Struktur! Mein ehemaliger Chef, ein schwer beschäftigter Mann, hat heute tröstliche Worte gefunden:
"Es gibt immer wieder Phasen, da steht das Chaos an deiner Tür. Dann sag einfach 'Komm doch rein, ich hab dich schon erwartet'. Nach ein paar Tagen verschwindet es dann wieder."
Weise Worte. Ich habe also beschlossen, mit meinem Chaos zu sprechen - und ihm einen Namen zu geben. Ich nenne es Bernd. Bernd, das Chaos.
Bernd ist immer dabei, wenn ich gesagt bekomme, dass ich kaum Perspektiven im Verlag habe und mir am selben Tag jemand verspricht, sich für mich stark zu machen. Wenn ich darüber nachdenke, wie es wäre, in eine andere Stadt ziehen zu müssen und zu wissen, dass das ich das momentan nicht übers Herz bringen würde. Wenn mir zwei Leute versprechen, dass ich einen bestimmten Job übernehmen kann und ein dritter sagt, so einfach ist das nicht. Wenn ich schwanke zwischen einem neuen Anlauf an Ort und Stelle und einem Weglauf an eine andere Stelle.
Ich fürchte, dass ich in nächster Zeit noch häufiger Besuch von Bernd dem Chaos bekommen werde. Nehmt es mir also nicht übel, wenn ich ihm dann meine ganze Aufmerksamkeit schenke. Denn nur so werde ich ihn schnell wieder los. Aber wenn ihr mir verratet, wie ihr eure Chaosse zuverlässig verjagt, dann lasst es mich wissen.
Eingestellt von Patrick @ 22:26 2 Kommentare
Montag, 1. Januar 2007
Weltfrieden und Zungenküsse
Frohes Neues!
Auf ein Jahr voller Aufstiegsfeiern, Bestleistungen, Chaostage, Dramatik, Erdbeertorten, Festivals, Gehaltserhöhungen, Hitzefrei, Idealbedingungen, Jobangebote, Konzerte, Lachkrämpfe, Muskelzuwachs, Neuanfänge, Orgasmen, Pioniertaten, Quantensprünge, Rock'n'Roll, Sonnenbrände, Traumtore, Urlaub, Versöhnungen, Weltfrieden, X-trawürste, YouTube-Videos und Zungenküsse.
Eingestellt von Patrick @ 23:28 0 Kommentare
