Freitag, 24. Juli 2009

Selbstbetrug

Wenn man mich in den letzten Monaten gefragt hat, ob ich mich schon in Frankfurt eingelebt habe, dann habe ich gesagt, es wird. Langsam - aber es wird. Die ersten freundschaftsähnlichen Kontakte, die netten Handballer und so weiter.

Ein Stück weit habe ich mir da selbst etwas vorgemacht.

Im Juli habe ich noch keinen Abend außerhalb meiner Wohnung verbracht, wenn man vom Sport mal absieht. Meine ehemalige Nachbarin, mit der ich ab und zu mal Klettern war, habe ich im April zum letzten Mal gesehen oder gesprochen. Die einzige andere Person, die ich kenne und die nicht aus der Redaktion kommt, hat mich zuletzt ein paar Mal vertröstet, obwohl sie immer sagt, dass sie in exakt der selben Situation steckt wie ich. Und dass Basti ab September noch so viel Zeit haben wird wie bisher - zum Fuballgucken, Trainieren oder Schnitzelessen - sollte ich mir auch schnellstens ausreden. Er wird dann als frischgebackener Vater mehr als genug um die Ohren haben.

Nun kommt auch noch dazu, dass die Stimmung bei der Arbeit gerade ziemlich mies ist. Das liegt einerseits an gewissen technischen Problemen, die mich daran denken lassen, wie paradiesisch es sein muss, für ein reines Online-Medium zu arbeiten. Dann fällt der ganze Ärger um Abgabezeiten, Textlängen und Layoutänderungen weg, und es bleibt mehr Zeit für Journalismus. Theoretisch.

Zum Anderen fühlen sich einige alteingesessene Redakteure bei uns gerade offenbar von neuen Kollegen bedroht. Anders kann ich mir die zutiefst vergifteten, unverschämten und kontraproduktiven, für alle sichtbaren Mails nicht erklären, die ich gerade täglich in meinem Postfach finde. Nein, ich bin nicht der Adressat, aber ich kriege durch die Sammeladressen mit, wie sehr sich einige Leute daneben benehmen. Sowas erlebe ich zum ersten Mal - und es verdirbt mir die Laune.

Schönes Wochenende.

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