Montag, 17. Dezember 2007

Wie uncool

Es war der 15. Dezember, ein kalter, aber trockener Tag in Köln. In den Straßen drängelten sich Weihnachtsmarktbesucher, Touristen und rumänische Klaukids. Gegen 17 Uhr, die Sonne versank schon hinter den Glühweinständen, taten zwei der tausenden von Menschen in der Stadt etwas unerhörtes, nie dagewesenes. Sie besorgten sich Karten für eine Silvesterparty. Mehr als zwei Wochen vor dem Stichtag.

Dass so etwas nicht ungestraft bleiben konnte, war ihnen klar. Und das Schicksal ließ sich nicht lange bitten. Als sie einen Blick auf ihre Karten warfen, sprangen sie ihnen entgegen - die laufenden Nummern. 001 und 002. Sie waren die ersten. Niemand vor ihnen hatte sich die Blöße gegeben, schon zwei Wochen vor Silvester einen konkreten Plan zu fassen und die dazu nötigen Vorkehrungen zu treffen. Sie waren Nerds, so uncool wie eine frühzeitige Ejakulation. Peinlich berührt schlichen sie mit hochroten Köpfen nach Hause.

Ende.

Und die Moral von der Geschicht': Wir gehen zur Time to rock, time to shock-Silvesterparty ins Subway. Definitiv. Und wir suchen noch Mitläufer. Karten gibt's im Underdog am Hansaring, für 6,60 Euro pro Stück. Wenn ich ihr wäre, würde ich sie mir diese Woche holen. Und mir dann bescheid sagen, denn es würde mich freuen, möglichst viele von euch da zu treffen. Bislang dabei: Natalie, Mirek, Julia, Svenja + X (etwa Daniel?!), Sandra, Antje.

Montag, 3. Dezember 2007

Gefühlter Kölner

So richtig schön ist es hier ja nicht. In der Stadt, meine ich. Ein Riesenhaufen Scheiße in der Bahnhofspassage, eine plattgefahrene Ratte auf dem Gehweg, der penetrante Uringeruch in der U-Bahn - Frankfurt hat ein Anzugträger-Viertel und drei Igitt-Viertel. Ich hätte gerne was dazwischen. Zwischen Köln-Lindenthal und Köln-Ehrenfeld liegt ja schließlich auch Köln-Braunsfeld als Puffer. Aber da kann man wohl nichts machen.

Ich habe mich nach neun Jahren tatsächlich als "Kölner" gefühlt. Gefühlter Kölner sozusagen. Wie aus mir jemals ein Gefühlter Frankfurter werden soll, ist mir schleierhaft.

Immerhin: Was die Skater hier so machen, stellt die Künste der Kölner Domplatten-Kids in den Schatten. Nachzusehen im Film Fahr doch, dessen Premiere meine Mitbewohnerin am vergangenen Wochenende organisiert hat. Das Ganze war auch ein Beweis für die Macht von Myspace: Der Film wurde nur im Internet beworben, und trotzdem standen am Samstag 200 oder 300 Leute vor dem winzigen Kino, das für den Abend angemietet worden war. Und die alle wollten Geld bezahlen, um den vollkommen handlungslosen und sinnfreien Skaterszenen-Streifen zu sehen. Darauf einen Frankfurter Applaus.

Sonntag, 25. November 2007

Wie war das nochmal mit den Pferden und dem Weiterreiten?

Ich hab's zwar schon per Mail herumposaunt, aber hier gehört's wohl auch hin: Es ist jetzt offiziell, ich bleibe für mindestens die nächsten zwei Jahre in Frankfurt. Ich habe alle Zusagen und werde ab dem 1.2. Volontär. War wohl die letzte und einzige Chance, aber es hat ja geklappt. Und was ich bislang gehört habe, klingt spannend. Ein Drittel der Zeit werde ich in meiner Stammredaktion, nämlich bei den Onlinern arbeiten. Ein Drittel werde ich in verschiedenen Ressorts der Zeitung verbringen, und das der Rest geht für Seminare, Hospitanzen und Urlaub drauf.

Dass damit der Ernst des Lebens beginnt, hat man mir auch schon gesagt. Bei Interviews werde ich künftig das Metall aus dem Gesicht schrauben müssen, und demnächst werde ich mir wohl einen Anzug zulegen. Falls also jemand von euch demnächst heiraten sollte, wäre ich vorbereitet.

Meine Kölner Zelte werde ich wohl irgendwann im Januar endgültig abbrechen. Wer sich erinnern mag: In meinem allerersten Blogeintrag habe ich mich gefragt, ob 2007 wieder so aufregend werden muss wie 2006. Und dann war noch was mit Pferden und Weiterreiten. Tja, jetzt reite ich tatsächlich weiter. Und langsam, ganz langsam, breitet sich vom Kopf her die Erkennntnis aus, dass genau deshalb auch 2008 ziemlich spannend werden könnte. Ich hoffe mal, meine Nervenstränge halten das aus.

Montag, 5. November 2007

Wacher als wach ist Überwach

Nach "Stasi 2.0" und der "Schäublone" jetzt die nächste, zur Abwechslung mal wirklich amüsante Aktion gegen die von der Bundesregierung geplante Vorratsdatenspeicherung:

Ende der Woche wird der Bundestag über den Gesetzentwurf aus dem Hause Zypries abstimmen. Selbst wenn es Widerstand geben sollte, wird das Gesetz irgendwann in irgendeiner Form kommen. Denn es gibt eine entsprechende EU-Richtlinie, und die muss umgesetzt werden. Im Entwurf steht, dass die Telekommunikationsanbieter künftig für sechs Monate speichern müssen

- von welcher Telefon-/Handy-Nummer wann welche andere Nummer angerufen wurde
- wie lange das Gespräch gedauert hat
- wo sich ggfs. das Handy während des Gesprächs befunden hat
- welche IP-Adresse (=welcher Computer) sich wann ins Internet eingewählt hat
- wer wem wann eine E-Mail geschrieben hat

Kurz: Die Verbindungsdaten, nicht aber die Gesprächsinhalte, werden gespeichert. Deutschland wird dadurch angeblich sicherer. Und eben auch definitiv unfreier.

Und deshalb gibt's Protest. Ein ganz schlauer junger Mann dreht das Spiel einfach um und überwacht die Überwacher. Bei Überwach! wird protokolliert, von welchem Bundes- oder Landesministerium sowie von welcher Regierungs- oder Oppositionspartei auf welche Internetseiten zugegriffen wird. Wenn ihr wissen wollt, ob Innenminister Schäuble eure MySpace-Seite oder euer Blog kontrolliert, müsst ihr nur einen kleinen HTML-Schnipsel in den Quellcode eurer Seite einbauen. Den Code findet ihr auf der Überwach!-Seite.

Dort sind auch die Listen auf Vorrat gespeichert, denen ihr entnehmen könnt, welche Institution welche Seiten besucht. Demnach lesen Regierungsmitarbeiter gerne in linken Blogs wie dem Pantoffelpunk und surfen während der Arbeitszeit in einem Forum für Computerspiel-Cheats.

Natürlich mache ich auch mit: Der HTML-Schnipsel ist eingebaut. Jetzt warte ich darauf, dass das BKA meine Tür einrennt und mich nach Guantanamo bringt. Aber sowas passiert ... Moment, da hat gerade jemand an der Tür geklingelt.

Dienstag, 30. Oktober 2007

Lächerlich

Das Rauchverbot mobilisiert die Massen in Frankfurt: Gestern habe ich schon die zweite Demo für Qualmfreiheit durch die Straßen ziehen sehen. Es war der erbärmlichste Haufen Demonstranten seit der elftausendsten Anti-Hartz-IV-Veranstaltung. Etwa 100 Eckkneipenbodensatzbewohner grölten reichlich schief "In uns'rer Kneipe am Ende der Straße" durch Sachsenhausen und hielten DIN-A-4-Zettel mit kryptischen Botschaften in Times New Roman Größe 10 hoch. Das wird Herrn Koch mächtig beeindruckt haben. Wenn die deutsche Protestkultur so weiter macht, dürften Demos demnächst wegen Lächerlichkeit verboten werden.

Dabei gibt's schlimmeres als ein Rauchverbot: Gestern ist in Norwegen ein Hubschrauber mit drei Männern an Bord abgestürzt - und zwar auf einen parkenden Tanklastzug. Was geht einem wohl durch den Kopf, wenn sowas passiert? Man schmiert gerade ab, und dann sieht man, dass man in einem Land mit einer Bevölkerungsdichte von 13,2 Einwohnern pro Quadratkilometer ausgerechnet auf einen Tanklastzug mit schätzungsweise 20.000 Benzin an Bord fällt - und das auch noch an einem Montag! ich glaube, ich müsste lachen.

Ach ja, es nichts passiert. Keine Explosion, keine Toten. Das Leben ist ein Witz, bei dem jemand die Pointe versaut hat.