Die Zeit des Schönredens ist vorbei. Vorhin habe ich sogar meinem Kollegen und besten Freund in dieser Stadt eingeredet, dass er die FR verlassen soll. Um 16:45 Uhr sagte er mir noch "Ich weiß nicht, was ich tun soll. Bei der Zeitung bleiben oder die Abfindung nehmen." In den 60 darauffolgenden Minute habe ich ihm einen Grund nach dem anderen genannt, warum er das Geld nehmen und die Zeitung verlassen soll, für die er 10 Jahre lang gearbeitet hat. Danach sagte er "Ok, die Entscheidung ist gefallen. Ich gehe."
Ich weiß gar nicht, ob das so klug von mir war. Ohne ihn wird's bei der Arbeit noch unerträglicher, als es in den nächsten Monaten ohnehin zu werden droht. Aber dass ich so drauflosgebrabbelt habe, zeigt auch mir selbst, dass ein Wechsel notwendig geworden ist.
Drückt mir die Daumen, ich habe in den nächsten zwei Wochen zwei Vorstellungsgespräche in Berlin.
P.S. (Oder heißt das in Blogs "B.S."?): Seine Freundin wollte sowieso, dass er geht. Ich bin also nicht der Alleinschuldige. Rede ich mir jedenfalls ein.
Freitag, 27. Mai 2011
Ich muss hier weg
Eingestellt von Patrick @ 21:04 0 Kommentare
Mittwoch, 20. April 2011
Drei Schüsse in den Rücken sind keine Notwehr
Heute um 15:20 Uhr lief ein Text der Nachrichtenagentur dapd mit genau dieser Überschrift über den Ticker. Es ging um das Urteil gegen einen Dreifachmörder, aber das ist eigentlich egal. Es geht nur um den Satz. "Drei Schüsse in den Rücken sind keine Notwehr." Ein leicht verkürztes Zitat des Richters.
Ich liebe diesen Satz. Er klingt grausam, philosophisch, lebenszusammenfassend. Ich habe kurz überlegt, mein Blog umzubenennen. Aber jetzt weiß ich: Ich muss ein Buch schreiben. Titel: "Drei Schüsse in den Rücken sind keine Notwehr". Worum es gehen soll? Spielt keine Rolle. Es wird garantiert ein Bestseller, bei so einem Titel. Ich denke, ich schreibe es über Ostern. Muss ja auch nicht dick werden, bei so einem Titel.
Aber sonst geht's mir gut, danke.
Eingestellt von Patrick @ 14:46 1 Kommentare
Freitag, 1. April 2011
Untröstlich
Was für ein seltsamer Tag. Morgen früh werde ich mich fragen, ob das alles nur ein böser Traum war. Heute vormittag wurde unserer Belegschaft mitgeteilt, dass von den 190 Festangestellten 44 entlassen, 20 nach Berlin geschickt und die Restlichen in neuen, noch zu gründenen Gesellschaften eingestellt werden. Dass Politik, Wirtschaft, Vermischtes, Sport, Feuilleton und Wissenschaft künftig nicht mehr in Frankfurt, sondern in Berlin produziert werden. Dass alle Außenredaktionen in der Region, die wir noch haben, geschlossen und durch Dienstleister ersetzt werden. Dass von der Vollredaktion in Frankfurt nur die Lokal- und Regionalredaktion übrig bleibt - und die Onlineredaktion, zu der auch ich gehören werde, wenn ich das möchte.
Genauer steht es bei den Kollegen von der taz.
In der Versammlung haben gestandene Journalisten unter Tränen ihre Statements abgegeben, manche wurde wütend bis ausfallend, andere fielen in Schockstarre. Sie haben vor sich etwas zerbröseln sehen, für das sie teilweise jahrzehntelang jeden Tag mit Herzblut gearbeitet haben. Und ich dramatisiere hier nicht. Die FR wäre längst nicht mehr da, wenn nicht jeden Tag eine verschworene Truppe von Leuten da reinmarschiert wäre, um weit, weit jenseits von Dienst nach Vorschrift das Beste aus den seit Jahren immer schlechter werdenden Rahmenbedingungen zu machen.
Ich kann das alles nicht hier erklären. Schon gar nicht das, was ich in den Stunden danach erlebt habe. Von elf bis halb fünf habe ich in solchen Versammlungen gesessen und mir angehört, wie die Zeitung gerettet werden soll. Und wenig bis nichts davon war überzeugend. Von sechs Uhr bis Mitternacht habe ich dann versucht, Untröstliche zu trösten.
Nochmal: Ich bin nicht oder kaum betroffen. Mein Arbeitsplatz ist für die nächsten zweieinhalb Jahre sicher. Ich bin den ganzen Tag wie in einer Seifenblase umhergewandert, die alle Geräusche irgendwie dämpft.
Nur: Ich kann mir nicht vorstellen, wie ich noch Freude an meinem Job haben soll, wenn diejenigen, die ihn so angenehm/lustig/lehrreich/erfüllend gemacht haben, allesamt weg sind.
Mehr dazu beim nächsten Mal...
Eingestellt von Patrick @ 22:20 0 Kommentare
Mittwoch, 23. März 2011
Pferde satteln
Große Veränderungen kündigen sich an. Ich war gestern in Hamburg bei einem Vorstellungsgespräch, und es ist gar nicht mal schlecht gelaufen, denke ich. Zwar müsste ich nun erstmal in die "Endrunde" für den Job einziehen und diese dann auch noch für mich entscheiden, aber eigentlich will ich erst einmal etwas ganz anderes sagen: Ich glaube nicht, dass ich dieses Jahr in Frankfurt bleiben werde. Mittlerweile ist es nicht mehr nur Kopfsache (sehr schlechte Zeiten bei meinem Arbeitgeber), sondern auch ein Bauchgefühl. Hamburg hat sich gestern ziemlich gut angefühlt. Sollte daraus nichts werden, ist auch in Berlin jemand an meiner Arbeit interessiert. Da wird die Entscheidung zwar nicht vor Mai fallen. Aber irgendetwas sagt mir, dass es eine von beiden Städten, einer von beiden Jobs wird. Und der Zeitpunkt fühlt sich richtig an.
Ich habe es hier vor langer Zeit schon einmal geschrieben:
"Das Gute an schlechten Zeiten: Pferde satteln, weiterreiten."
Singen Kettcar. Die kommen übrigens aus Hamburg.
Eingestellt von Patrick @ 18:28 1 Kommentare
Samstag, 12. Februar 2011
Umfrage
Zur Erklärung: Mein letzter Eintrag hier war nur ein Test für das hier: Die Geschichte hinter den Bildern.
Ihr dürft mir gerne schreiben, was ihr von dieser Darstellungsform haltet. Ist das ein guter Weg, um eine Geschichte zu erzählen? Führt es dazu, dass ihr euch die Fotos genau anschaut und neugierig seid, was sich dahinter verbirgt? Oder ist es zu kompliziert, unverständlich und unübersichtlich?
Eingestellt von Patrick @ 13:15 1 Kommentare
