Was für ein seltsamer Tag. Morgen früh werde ich mich fragen, ob das alles nur ein böser Traum war. Heute vormittag wurde unserer Belegschaft mitgeteilt, dass von den 190 Festangestellten 44 entlassen, 20 nach Berlin geschickt und die Restlichen in neuen, noch zu gründenen Gesellschaften eingestellt werden. Dass Politik, Wirtschaft, Vermischtes, Sport, Feuilleton und Wissenschaft künftig nicht mehr in Frankfurt, sondern in Berlin produziert werden. Dass alle Außenredaktionen in der Region, die wir noch haben, geschlossen und durch Dienstleister ersetzt werden. Dass von der Vollredaktion in Frankfurt nur die Lokal- und Regionalredaktion übrig bleibt - und die Onlineredaktion, zu der auch ich gehören werde, wenn ich das möchte.
Genauer steht es bei den Kollegen von der taz.
In der Versammlung haben gestandene Journalisten unter Tränen ihre Statements abgegeben, manche wurde wütend bis ausfallend, andere fielen in Schockstarre. Sie haben vor sich etwas zerbröseln sehen, für das sie teilweise jahrzehntelang jeden Tag mit Herzblut gearbeitet haben. Und ich dramatisiere hier nicht. Die FR wäre längst nicht mehr da, wenn nicht jeden Tag eine verschworene Truppe von Leuten da reinmarschiert wäre, um weit, weit jenseits von Dienst nach Vorschrift das Beste aus den seit Jahren immer schlechter werdenden Rahmenbedingungen zu machen.
Ich kann das alles nicht hier erklären. Schon gar nicht das, was ich in den Stunden danach erlebt habe. Von elf bis halb fünf habe ich in solchen Versammlungen gesessen und mir angehört, wie die Zeitung gerettet werden soll. Und wenig bis nichts davon war überzeugend. Von sechs Uhr bis Mitternacht habe ich dann versucht, Untröstliche zu trösten.
Nochmal: Ich bin nicht oder kaum betroffen. Mein Arbeitsplatz ist für die nächsten zweieinhalb Jahre sicher. Ich bin den ganzen Tag wie in einer Seifenblase umhergewandert, die alle Geräusche irgendwie dämpft.
Nur: Ich kann mir nicht vorstellen, wie ich noch Freude an meinem Job haben soll, wenn diejenigen, die ihn so angenehm/lustig/lehrreich/erfüllend gemacht haben, allesamt weg sind.
Mehr dazu beim nächsten Mal...
Freitag, 1. April 2011
Untröstlich
Eingestellt von Patrick @ 22:20
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