Dienstag, 6. Mai 2008

Treppenwitz

Ich fürchte, ich habe heute etwas Dummes gemacht. Die FR kündigt morgen (wow, ein Link in die Zukunft) einen Treppenlauf im Frankfurter Messeturm an. Der findet am 18. Mai statt. Und ich hab gesagt, da müssten wir doch jemanden hinschicken, der mitläuft und eine Reportage schreibt. Für unsere Serie "Frankfurt lieben lernen". Der Chef war begeistert. Und dann hab ich mich freiwillig gemeldet.

Vielleicht hätte ich erst ein bisschen recherchieren sollen. Es geht um das dritthöchste Gebäude Europas, 61 Stockwerke, 1344 Treppenstufen. Zum Vergleich: das Empire State Building hat nur 223 Stufen mehr. Es gibt auch nur zwei offizielle Wettbewerbe weltweit, die Frankfurt noch übertreffen. Das ist zum einen jener im Empire State Building, zum Anderen der Taipeh 101 Run up in Taiwan.

Ich weiß ehrlich nicht, ob ich das überlebe. Da steht wohl nicht umsonst in der Ausschreibung, dass auf jedem 10. Stockwerk Mediziner für Notfälle bereit stehen.

Montag, 28. April 2008

And the Oscar goes to ...

... Bianca.

Kleiner Kinotipp: "Lars und die Frauen" - witziger und richtig schöner Film über einen extrem introvertierten Typen, der sich eine Latex-Sexpuppe im Internet bestellt und sie fortan als seine Freundin ausgibt. Als die Leute in seiner Stadt merken, dass Lars eigentlich nur furchtbar einsam ist und mit der Puppe tatsächlich eine Beziehung führt, tun sie ebenfalls so, als wäre sie lebendig. Und so wird "Bianca" zum Liebling der Stadt.

Ich prophezeie: Diese Puppe wird irgendeinen Filmpreis für die Beste Nebenrolle bekommen. Einfach, weil es ein PR-Coup für die Jury wäre. Und ein Kommentar zur Schauspielkunst: Was ihr könnt, kann auch eine Puppe. Wetten werden jederzeit angenommen.

Dienstag, 22. April 2008

Punkrockitaliener

Bin zurück aus Berlin. Beziehungsweise zurück aus Hamm, Köln, dem Westerwald und Berlin. War ein bisschen viel in letzter Zeit. Aber auch spannend. So wie gestern, mit Laura in Kreuzberg. Wir waren beim Punkrockitaliener und haben Pizza gegessen. "Casolare" hieß der Laden, drinnen lief lärmige Musik, alle hatten Piercings und es gab Pferdefleisch- und Walnusspizza. Und das alles direkt am Kanal und mit vielen schönen Kneipen drumherum. Kann mir jetzt bitte jemand sagen, wo ich sowas in Frankfurt finde? Hat mich verdammt neidisch gemacht.

Laura, war übrigens schön zu sehen, dass du immer noch zwei Jobs hast, nebenbei Solaranlagen baust, Profitaucherin wirst, den zweiten keine-ahnung-wievielten Abendstudiengang ins Auge fasst und trotzdem Zeit für acht Stunden Schlaf pro Nacht hast. Ich werd' den Trick nie verstehen.

Ach ja, warum ich in Berlin war? Um bei einem Seminar zu lernen, wie ich sensible Daten schützen oder sicher auf elektronischen Wegen übermitteln kann. Was ich dabei genau gelernt habe? Dass es nicht geht. Und dass es Leute in solchen Seminaren gibt, die ernsthaft wünschten, sie hätten einen Grund, paranoid zu sein. Warum sich 60-jährige nebenberufliche Journalisten von NSA, BND, Kollegen, Microsoft und Google verfolgt fühlen, muss ich hoffentlich nicht verstehen.

Jedenfalls kann ich jetzt verschlüsselte E-Mails versenden, Dateien unauffindbar machen oder nach US-Verteidigungsministeriumsmaßstäben löschen. Fehlt nur noch ein Grund, sowas zu tun.

Sonntag, 13. April 2008

Abenteuer Autobahn

Erst wollte ich mich darüber aufregen, dass ich gerade an jedem Wochenende stundenlang im Zug sitze, um quer durch die Republik zu fahren. Aber wenn ich dann zur Abwechslung mal im Auto sitze, ist es auch nicht besser: Als ich am Samstag Natalies erstes eigenes Auto von meinen Eltern zu ihr in die Wallachei gebracht habe, wäre das beinahe ultimativ ins Auge gegangen. Auf der A3, 50 km vor dem Ziel, ist ein älterer Mann von einer Brücke auf die Fahrbahn gesprungen. Oder gestoßen worden. Jedenfalls lag er da, mitten auf der Autobahn, als ich mit Tempo 140 auf ihn zuraste. Zum Glück habe ich ihn rechtzeitig gesehen und im Gegensatz zu einigen Vorausfahrenden angehalten.

Dann ging alles ganz schnell. Mehrere Leute haben ihn versorgt, er hatte sich wohl die Beine gebrochen und den Kopf angehauen, schien aber nicht lebensgefährlich verletzt zu sein. Aber zwei Dinge gingen mir für den Rest des Tages nicht mehr aus dem Kopf: Erstens hätte ich mir gewünscht, cooler zu sein. Beim Tippen der Notrufnummer habe ich mich vertan, und beim zweiten Versuch bekam ich ein Besetztzeichen, was eigentlich nicht sein sollte. Ich kann ehrlicherweise auch nicht sagen, ob ich, wäre ich der erste oder einzige am Ort des Geschehens gewesen, den Mann gut versorgt hätte. Obwohl ich dazu eigentlich in der Lage sein sollte. Aber meine Reaktionen waren langsam, meine Angst, mich dem Mann zu nähern, größer als angemessen.

Zweitens hätte er vermutlich nur einige Sekunden früher springen oder fallen müssen, und er wäre auf meiner Motorhaube gelandet. Und das wäre dann mit einiger Sicherheit das Ende von uns beiden gewesen.

Andere sollen an diesem Wochenende ja gerockt, gekotzt und Zigaretten gegessen haben. Ich hab nur überlebt.

Donnerstag, 3. April 2008

Hamm vs. die Zivilisation

Es ist nicht gerade leicht, etwas Gehaltvolles zu schreiben, wenn drei Meter links von mir Germany’s Next Topmodel läuft. Ich krieg’ nämlich spontan Ohrenkrebs. Aber was soll’s: So sind sie halt, die Volontärinnen von heute. 16 Volos aus halb Deutschland sind wir hier in der Journalisten-Akademie im Schloss Oberwerries. Davon 11 Frauen, die jetzt im einzigen Raum, in dem es eine Internetverbindung gibt, unbedingt Heidi Klum gucken müssen. Das nächste bisschen Zivilisation ist 10 km entfernt und heißt Hamm. Das liegt in Westfalen, was den Begriff Zivilisation natürlich direkt wieder etwas relativiert. Deshalb bleibt uns nicht viel übrig, als ein bisschen fernzusehen, die wenigen Flecken Erde zu suchen, auf denen hier eine Handyverbindung besteht – und Sport zu treiben. Denn der Laden hier gehört dem Landesturnerbund, und der hat eine komplette Turnhalle neben das Schloss gepflanzt.

Ach ja, tagsüber ist Ausbildung zum Topjournalisten. Die dauert noch bis zum 18. April, danach sollte ich mehr oder weniger perfekt sein. Ich meld’ mich, wenn es soweit ist.