Ich hab's zwar schon per Mail herumposaunt, aber hier gehört's wohl auch hin: Es ist jetzt offiziell, ich bleibe für mindestens die nächsten zwei Jahre in Frankfurt. Ich habe alle Zusagen und werde ab dem 1.2. Volontär. War wohl die letzte und einzige Chance, aber es hat ja geklappt. Und was ich bislang gehört habe, klingt spannend. Ein Drittel der Zeit werde ich in meiner Stammredaktion, nämlich bei den Onlinern arbeiten. Ein Drittel werde ich in verschiedenen Ressorts der Zeitung verbringen, und das der Rest geht für Seminare, Hospitanzen und Urlaub drauf.
Dass damit der Ernst des Lebens beginnt, hat man mir auch schon gesagt. Bei Interviews werde ich künftig das Metall aus dem Gesicht schrauben müssen, und demnächst werde ich mir wohl einen Anzug zulegen. Falls also jemand von euch demnächst heiraten sollte, wäre ich vorbereitet.
Meine Kölner Zelte werde ich wohl irgendwann im Januar endgültig abbrechen. Wer sich erinnern mag: In meinem allerersten Blogeintrag habe ich mich gefragt, ob 2007 wieder so aufregend werden muss wie 2006. Und dann war noch was mit Pferden und Weiterreiten. Tja, jetzt reite ich tatsächlich weiter. Und langsam, ganz langsam, breitet sich vom Kopf her die Erkennntnis aus, dass genau deshalb auch 2008 ziemlich spannend werden könnte. Ich hoffe mal, meine Nervenstränge halten das aus.
Sonntag, 25. November 2007
Wie war das nochmal mit den Pferden und dem Weiterreiten?
Eingestellt von Patrick @ 20:19 0 Kommentare
Montag, 5. November 2007
Wacher als wach ist Überwach
Nach "Stasi 2.0" und der "Schäublone" jetzt die nächste, zur Abwechslung mal wirklich amüsante Aktion gegen die von der Bundesregierung geplante Vorratsdatenspeicherung:
Ende der Woche wird der Bundestag über den Gesetzentwurf aus dem Hause Zypries abstimmen. Selbst wenn es Widerstand geben sollte, wird das Gesetz irgendwann in irgendeiner Form kommen. Denn es gibt eine entsprechende EU-Richtlinie, und die muss umgesetzt werden. Im Entwurf steht, dass die Telekommunikationsanbieter künftig für sechs Monate speichern müssen
- von welcher Telefon-/Handy-Nummer wann welche andere Nummer angerufen wurde
- wie lange das Gespräch gedauert hat
- wo sich ggfs. das Handy während des Gesprächs befunden hat
- welche IP-Adresse (=welcher Computer) sich wann ins Internet eingewählt hat
- wer wem wann eine E-Mail geschrieben hat
Kurz: Die Verbindungsdaten, nicht aber die Gesprächsinhalte, werden gespeichert. Deutschland wird dadurch angeblich sicherer. Und eben auch definitiv unfreier.
Und deshalb gibt's Protest. Ein ganz schlauer junger Mann dreht das Spiel einfach um und überwacht die Überwacher. Bei Überwach! wird protokolliert, von welchem Bundes- oder Landesministerium sowie von welcher Regierungs- oder Oppositionspartei auf welche Internetseiten zugegriffen wird. Wenn ihr wissen wollt, ob Innenminister Schäuble eure MySpace-Seite oder euer Blog kontrolliert, müsst ihr nur einen kleinen HTML-Schnipsel in den Quellcode eurer Seite einbauen. Den Code findet ihr auf der Überwach!-Seite.
Dort sind auch die Listen auf Vorrat gespeichert, denen ihr entnehmen könnt, welche Institution welche Seiten besucht. Demnach lesen Regierungsmitarbeiter gerne in linken Blogs wie dem Pantoffelpunk und surfen während der Arbeitszeit in einem Forum für Computerspiel-Cheats.
Natürlich mache ich auch mit: Der HTML-Schnipsel ist eingebaut. Jetzt warte ich darauf, dass das BKA meine Tür einrennt und mich nach Guantanamo bringt. Aber sowas passiert ... Moment, da hat gerade jemand an der Tür geklingelt.
Eingestellt von Patrick @ 20:18 1 Kommentare
Dienstag, 30. Oktober 2007
Lächerlich
Das Rauchverbot mobilisiert die Massen in Frankfurt: Gestern habe ich schon die zweite Demo für Qualmfreiheit durch die Straßen ziehen sehen. Es war der erbärmlichste Haufen Demonstranten seit der elftausendsten Anti-Hartz-IV-Veranstaltung. Etwa 100 Eckkneipenbodensatzbewohner grölten reichlich schief "In uns'rer Kneipe am Ende der Straße" durch Sachsenhausen und hielten DIN-A-4-Zettel mit kryptischen Botschaften in Times New Roman Größe 10 hoch. Das wird Herrn Koch mächtig beeindruckt haben. Wenn die deutsche Protestkultur so weiter macht, dürften Demos demnächst wegen Lächerlichkeit verboten werden.
Dabei gibt's schlimmeres als ein Rauchverbot: Gestern ist in Norwegen ein Hubschrauber mit drei Männern an Bord abgestürzt - und zwar auf einen parkenden Tanklastzug. Was geht einem wohl durch den Kopf, wenn sowas passiert? Man schmiert gerade ab, und dann sieht man, dass man in einem Land mit einer Bevölkerungsdichte von 13,2 Einwohnern pro Quadratkilometer ausgerechnet auf einen Tanklastzug mit schätzungsweise 20.000 Benzin an Bord fällt - und das auch noch an einem Montag! ich glaube, ich müsste lachen.
Ach ja, es nichts passiert. Keine Explosion, keine Toten. Das Leben ist ein Witz, bei dem jemand die Pointe versaut hat.
Eingestellt von Patrick @ 15:39 0 Kommentare
Montag, 22. Oktober 2007
Psst, ich bin Superman
Diese Kontaktlinsen sind Teufelszeug. Man hat das Gefühl - jedenfalls wenn man sonst so blind ist wie ich - plötzlich mit den eigenen Augen so gut zu sehen wie niemand sonst. Als hätte man Superkräfte und könnte kilometerweit sehen, wenn man sie trägt. Und so laufe ich durch die Straßen und starre Leute an, weil mir irgendwas einflüstert, dass ich zwar sie, sie aber nicht mich erkennen können, weil ich noch viel zu weit weg bin.
Es wird wohl noch eine Weile oder ein "Was glotzt du so, du Arsch?" brauchen, bis ich wirklich verstehe, dass alle anderen auch gut sehen. Einfach, weil sie ganz normal gucken können. Oder weil sie auch Supermans Kontaktlinsen tragen.
Eingestellt von Patrick @ 19:04 0 Kommentare
Sonntag, 7. Oktober 2007
Sehr geehrter Herr Mehdorn!
Soeben hatte ich eine Mitfahrgelegenheitsmitfahrt von Köln nach Frankfurt, die ich Ihnen nicht vorenthalten möchte. Mit mir im Opel Corsa saßen Sebastian, Stefan und Tina.
Stefan macht ein Praktikum bei den Wirtschaftsprüfern von PriceWaterhouseCoopers, weshalb er auch Michael kennt. Denn Michael macht nicht nur das gleiche Praktikum und sitzt am Schreibtisch gegenüber, sondern ist schon zwei Mal mit mir von FFM nach Köln gefahren. Wir drei kennen auch alle den John, der ebenfalls ständig pendelt und jeden von uns schon mal mitgenommen hat.
Sebastian macht exakt das, was ich auch gerade in FFM versuche: Beruflich hier einsteigen, einen langsamen Übergang vom Rhein an den Main schaffen und irgendwie nette Leute kennen lernen. Er macht das seit ein paar Monaten und ist dabei durchaus erfolgreich, was mir irgendwie Mut macht.
Tina klettert. In drei Wochen auf den Kilimanjaro, was ich insgeheim auch mal gerne machen möchte, weshalb ich sehr interessiert an ihren Vorbereitungen etc. bin. Außerdem klettert sie gerne in Kletterhallen, und zwar im selben Schwierigkeitsgrad wie ich. Und weil sie auf der anderen Straßenseite wohnt und gerade in mein Zimmer gucken kann, habe ich wohl (hoffentlich) jemanden zum Klettern gefunden.
Abgesehen davon hatte ich logischerweise einen Fahrservice bis vor die Haustür, die Reise dauerte gerade einmal 90 Minuten und hat ganze 10 Euro gekostet. Was ich damit sagen möchte, Herr Mehdorn, ist folgendes:
Ihre Bahn stinkt. Streikende Lokführer, überhöhte Preise, die noch einmal erhöht werden, zuverlässige Unzuverlässigkeit und Verspätungen, für die Sie nicht um Verständnis, sondern um Vergebung bitten sollten, lassen in mir die Frage aufkommen, warum in aller Welt ich Sie und Ihre irrsinnigen, selbstherrlichen Börsenpläne weiter unterstützen sollte, wenn es doch mit Fahrgemeinschaften so viel schöner sein kann.
Mit feindlichen Grüßen,
Patrick B.
Eingestellt von Patrick @ 20:18 0 Kommentare
