Donnerstag, 19. Januar 2012

Millionär besucht

Eigentlich war mein Tag gut durchgeplant - bis er begann.

Spätdienst war angesagt, also ab 11:30 Uhr im Büro. 10:30 ruft das Büro an. "Hast du Lust, heute um 13 Uhr im Adlon den Twitter-Gründer Jack Dorsey zu interviewen?"

Ich: "..."

Büro: "Eigentlich sollten das zwei Wirtschaftsredakteure vom Blatt (also der gedruckten ZEIT) machen, aber einer ist krank. Und die andere ist jung, unerfahren und total nervös. Und du kennst dich doch mit Twitter aus."

Also hab ich auf dem Weg zur Arbeit gegooglet: Jack Dorsey, ein Jahr älter als ich, aber 300 Millionen Dollar mehr auf dem Konto. Twitter-Mitbegründer und derzeitiger Vorstandschef. Bestimmt 'ne coole Sau, dachte ich.

Um 12:45 Uhr rein ins Adlon. Ist wie auf einem anderen Planeten. Da laufen nur Models in meterhohen Leopardenmuster-High-Heels oder verzogene Kinder rum und alles riecht nach Geld.

Der Typ kam dann im Anzug rein und war stocksteif. Hatte drei Aufpasser dabei, die immer losbellten, wenn wir nach Zahlen oder dem Geschäftsmodell gefragt haben. Das war alles so uncool, dass immer noch nicht klar ist, ob wir's drucken können.

Hinterher haben die Kollegin und ich dann noch rausgefunden, dass wir Nachbarn sind. Sie wohnt ein paar Häuser weiter in der gleichen Straße. Weit weg vom Planeten Adlon.

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