Freitagabend, Party bei einem Mitvolontär und dessen Freundin, die Lehrerin ist und ihr halbes Kollegium eingeladen hat. Es ist etwa ein Uhr, da steht plötzlich ein schmächtiger, dick bebrillter Hemd-in-die-Hose-Stecker vor Natalie und mir und quatscht uns an: "Seid ihr auch Lehrer?" Wir sagen nein. "Was dann?" Wir erklären es ihm. Und ich frage aus Höflichkeit, was er macht. "Unternehmensberater", verrät er. Damit ist er bei mir endgültig unten durch. Unternehmensberater sind die natürlichen Feinde von FR-Journalisten. Ich verkrieche mich kurz in die Küche.
Als ich zurückkomme, sagt Natalie "Er fährt einen Porsche." Das ist ihm jetzt peinlich, und stammelt was von Firmenwagen. Und dann jammert er los: "Wisst ihr, es ist ganz schön schwierig, so ein Auto zu haben. Alle denken, was ist denn das für ein Schnösel und so. Ich kann damit nicht einfach überall hinfahren." Und so weiter. Der arme, arme Porsche-Fahrer.
Dass Natalie noch ganz trocken sagt "Naja, aber er will damit sicher nichts kompensieren..." hört er nicht mehr. Was gut ist, denn ich kriege fast einen Lachanfall, den ich ihm wirklich nicht erklären will. Als er geht, frage ich ihn noch, wie er eigentlich heißt. Nicht, weil es mich interessiert. Aber weil ich zu dem Zeitpunkt schon weiß, dass ich ihn hier verewigen werde.
Sonntag, 16. März 2008
Philip, der traurige Porsche-Fahrer
Eingestellt von Patrick @ 22:39
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